Japan Hidden Value Update

Aktienrückkäufe in Japan steigen um 164%. DeNA kauft 17% der ausstehenden Aktien zurück

Kommentar von Koya Tabata und Clemens Kustner, beide Investmentexperten für japanische Aktien bei  ASPOMA Asset Management , einer auf Asien spezialisierten Investmentgesellschaft.

Japanische Aktien sind unglaublich tief bewertet. Wir haben uns darauf spezialisiert Hidden Value Opportunities in Japan zu identifizieren. Diese de facto schuldenfreien Unternehmen verfügen durchwegs über liquides Finanzvermögen (v.a. Cash) iHv 30-50% ihres Börsenwertes. Kein Wunder also, dass die bisher in 2019 in Japan angekündigten Aktienrückkäufe um über 160% über dem Wert des Vorjahres liegen. DeNA ist eines solcher Unternehmen, die ihre Aktienrückkäufe massiv anheben.

DeNA beginnt mit Aktienrückkäufen (bis zu 17% der ausstehenden Aktien)

Die aktuellen Veröffentlichungen zeigen, dass DeNA im vergangenen Monat (endlich) mit dem Rückkauf von Aktien begonnen hat.

Im vergangenen Mai hatte DENA angekündigt, Aktien von rund 50 Milliarden Yen (ca. 420 Millionen EURO) zurückzukaufen, etwas mehr als 17% des aktuellen Börsenwerts des Unternehmens und 23% der im Umlauf befindlichen Aktien. Im vergangenen Monat wurden nun erstmals rund 63.000 Aktien für 126 Millionen Yen (ca. 1 Mio. EURO) zurückgekauft, bisher nur ein Bruchteil des Gesamtvolumens.

DeNA hat bis zum Auslaufen der Frist für das Aktienrückkaufprogramm noch 6 Monate Zeit und kann zum derzeitigen Kurs noch rund 25 Millionen (!) Aktien zurückkaufen. Selbst wenn dies dem Kurs nicht zum Steigen verhelfen sollte, hat das Management sehr viel Pulver im Trockenen, um stärkere Kursrückgänge abzumildern (25 Mio. Aktien entsprechen drei vollen Wochen Handelsvolumen).

Schon von DeNA gehört? – Mario Kart und Pokémon bestimmt!

DeNa ist ein etablierter Entwickler und Anbieter von Computerspielen für mobile Endgeräte. DeNA entwickelt und vermarktet gemeinsam mit Nintendo beliebte Smartphone-Online-Spiele wie etwa Mario Kart Tour oder Pokémon und hält wertvolle Beteiligungen an anderen Unterhaltungsunternehmen.

Die Bewertung von DeNA

Die Bewertung von DeNA an der Börse beträgt EUR 2.4 Milliarden.

Dem steht gegenüber:

  1. Eine Netto-Cash Position von aktuell EUR 800 Millionen; nach Umsetzung des angekündigten Aktienrückkaufs wird diese weiterhin bei circa EUR 400 Millionen liegen.
  2. Eine Beteiligung an Nintendo im Wert von EUR 600 Millionen.
  3. Eine 21%ige Beteiligung an CyGames (Online-Spielentwickler), deren Wert ebenfalls auf mindestens 600 Millionen EURO geschätzt wird.

DeNAs operatives Geschäft wird damit nur mit rund 400 Millionen EURO bewertet, und das obwohl es im Mittel der nächsten beiden Jahre rund EUR 100 Millionen Gewinn und EUR 130 Millionen Free Cash Flow pro Jahr abwerfen und auf Umsatz- und Gewinnebene wieder ein Wachstum im mittleren einstelligen Bereich erreichen wird.

Ein Beispiel von vielen interessanten Anlagemöglichkeiten in Japan

DeNA ist eines von etwa 40 Hidden Value Unternehmen in die wir mit dem ASPOMA Japan Opportunites Fund gezielt investieren.  Aufgrund der sehr tiefen Bewertung des Kerngeschäfts, des hohen Cashbestands in der Bilanz und des großen Aktienrückkaufsprogramm von bis zu 23% des Free Floats passt DeNA perfekt in das ASPOMA Hidden Values Portfolio.

Unsere Investmentstrategie ist ähnlich wie bei Private Equity Buyout-Fonds darauf ausgelegt, kerngesunde aber stark überkapitalisierte und tief bewertete Unternehmen zu identifizieren, die aus der Kombination von hohen operativen Free Cashflows und einer effizienter gestalteten Kapitalstruktur attraktive Investmenterträge ermöglichen.

Beitrag von Harald Staudinger, Aspoma Asset Management

Der Staat muss es richten – der neue Ruf nach Fiskalpolitik

Kolumne von Markus Steinbeis, Geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung in München.

Die konjunkturellen Risiken haben viele Notenbanken weltweit in eine Art Panikmodus versetzt. Zinssenkungen wurden angekündigt und teilweise bereits umgesetzt. Quantitative Maßnahmen werden zusätzlich in Erwägung gezogen. Die Angst vor einer Rezession ist förmlich zu spüren. Sie soll unter allen Umständen vermieden werden, sind doch die Folgen in einer fragilen Finanzwelt mit hoffnungslos überschuldeten Wirtschaftssubjekten (vor allem Staaten) kaum kalkulierbar. Doch wird das ausreichen, um die rezessiven Risiken einzugrenzen? Wir glauben nein. Der Grenznutzen des billigen Geldes nimmt für die Realwirtschaft ab und sorgt lediglich noch für kurzfristige Euphorie an den Kapitalmärkten. Der Ruf nach fiskalpolitischen Programmen wird lauter.

Konjunkturabschwung nimmt Fahrt auf

Weltweit kühlt sich die globale Konjunktur ab. Seit Monaten erwarten wir einen Rückgang der globalen wirtschaftlichen Aktivitäten, aber der abrupte Einbruch vieler Indikatoren in den vergangenen Wochen macht auch uns etwas nervös. Viele Frühindikatoren konnten sich zu Anfang des Jahres nur temporär stabilisieren, setzten aber kurz darauf den Abwärtstrend weiter fort. Insbesondere der globale Einkaufsmanagerindex berichtet im verarbeitenden Gewerbe von der schlechtesten Stimmung seit Jahren. Während das verarbeitende Gewerbe sich weltweit bereits in einer tiefen Rezession befindet, fungiert der Dienstleistungssektor weiterhin als Stütze der Konjunktur. Aus der Historie wissen wir, dass eine nachhaltige Abkoppelung sehr unwahrscheinlich ist. Dennoch konstatieren wir, dass die ultra-expansive Geldpolitik vieler Notenbanken die Rahmenbedingungen etwas verändert hat. Von der hierdurch angefachten Binnennachfrage profitieren neben der Bauwirtschaft vor allem der Dienstleistungssektor. Es besteht aber die berechtigte Sorge, dass auch der Dienstleistungssektor in den kommenden Monaten an Dynamik einbüßen wird. Aus unserer Sicht liegt die Talsohle der konjunkturellen Entwicklung nicht hinter, sondern leider noch vor uns. Damit steigt der Druck im Kessel.

Das Schwert der Notenbanken ist stumpf

Leider verpuffen die positiven Wirkungen des Geldes immer mehr. Der Werkzeugkasten der Notenbanken leert sich. Klar, sie werden die Zinsen weiter senken. Es gilt auch als gesichert, dass sie wieder Anleihen kaufen werden. Wahrscheinlich zukünftig auch Aktien oder Immobilien. Aber reicht das? Wir denken nein. Der Ruf nach nachfragewirksamen fiskalpolitischen Programmen wird bei weiterer Abschwächung der Konjunktur lauter werden. Aus unserer Sicht dürfte das Flehen bald erhört werden. Die Ernennung Christine Lagardes zur neuen EZB-Präsidentin ist für ihn ein Fingerzeig in diese Richtung. Gehen Sie davon aus, dass nicht nur die Geld-, sondern auch die Finanzpolitik expansiver wird, je länger die Konjunkturflaute anhält. Große staatliche Ausgabenprogramme in den Bereichen Infrastruktur sowie Umweltschutz im kommenden Herbst und Winter würden uns nicht überraschen. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch ein Ansteigen der Budgetdefizite und damit konsequenterweise der Schuldenquoten. In der Eurozone wäre damit der Geist der Maastricht-Verträge endgültig beerdigt. Müßig zu erwähnen, dass dies der Treibsatz für steigende Aktienkurse bedeutet. Es wird nicht mehr lange dauern, bis Anleger beginnen dieses Szenario einzupreisen.

Notenbanken finanzieren Ausgabenprogramme und erzeugen langfristig Inflation

Trotz niedriger Zinsen sind die Schuldenberge vieler Staaten zu hoch. Keine Frage, in einem Umfeld expansiver Fiskalpolitik werden diese Berge weiter anwachsen, aber die Unterstützung der Notenbanken gilt als sicher. Daher liegt es nahe, dass diese einen Großteil der Ausgaben finanzieren werden. Dies wäre ein Sündenfall, aber die Wahrscheinlichkeit dafür steigt jeden Tag. Forderte der noch amtierende EZB-Präsident Mario Draghi noch zu Beginn seiner Amtszeit strukturelle Reformen als Flankierung zur Zentralbankpolitik, wurde jüngst im Juli 2019 seine Verlangen nach Fiskalpolitik laut, um einen möglichen Schock abzufedern. Zudem denkt die EZB mittlerweile darüber nach, ob das seit Jahren verfehlte Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent nicht überarbeitet werden muss. Klingt nebensächlich, ist aber historisch. Heißt es doch nichts anderes, als dass die Notenbank künftig auch ein gewisses Überschießen des Inflationsziels zulassen möchte. Am Ende des Tages geht es einzig und allein darum Inflation zu erzeugen. Die Schulden müssen auf diesem Wege entwertet werden. Wir gehen davon aus, dass die staatlich gelenkte Geldentwertung irgendwann gelingen wird. Die Inflation der Vermögenspreise ist seit Jahren bereits in vollem Gange. Die Inflation der Konsumpreise könnte mittelfristig folgen.

Disclaimer
Der gesamte Inhalt dieses vertraulichen Dokuments ist urheberrechtlich geschützt. Diese Unterlagen dienen ausschließlich Ihrer Information und sollen Sie bei Ihrer Entscheidungsfindung unterstützen. Weder dieses Dokument noch irgendeine in Verbindung hiermit gemachte Aussage stellt ein Angebot, eine Aufforderung oder eine Empfehlung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren dar. Der Wert jedes Investments kann sinken oder steigen und Sie erhalten möglicherweise nicht den investierten Geldbetrag zurück. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung der Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung GmbH wieder, die ohne vorherige Ankündigung geändert werden kann. Soweit die in diesem Dokument enthaltenen Daten von Dritten stammen, übernehmen wir für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Angemessenheit dieser Daten keine Gewähr und keine Garantie, auch wenn wir nur solche Daten verwenden, die wir als zuverlässig erachten. Soweit steuerliche oder rechtliche Gesichtspunkte berührt werden, handelt es sich ausschließlich um allgemeine Meinungsäußerungen oder Anregungen, die unsere Einschätzung zum Zeitpunkt der Publikation wiedergeben. Diese können die individuelle Beurteilung durch einen Steuerberater oder Rechtsanwalt nicht ersetzen. Wir übernehmen keine Verantwortung oder Haftung jedweder Art für Aufwendungen, Verluste oder Schäden, die aus oder in irgendeiner Art und Weise im Zusammenhang mit der Nutzung dieser Präsentation stehen. © steinbeis & häcker Vermögensverwaltung GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Unter Lagarde bleibt alles anders

Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung

 

Nach einem langen und teils holprigen Auswahlprozess folgt Christine Lagarde, die derzeitige geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, auf Mario Draghi an der Spitze der Europäischen Zentralbank. Damit führt erstmals in der Geschichte dieser Notenbank eine Person ohne wirtschaftswissenschaftliches Studium sowie ohne Erfahrung in der Geldpolitik eine der mächtigsten Institutionen im Euroraum.

 

Eine unerwartete Wahl

Im Juli 2019 wurde sie, nachdem sie von den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU) vorgeschlagen wurde, vom EU-Rat der Finanzminister für das Amt nominiert. Christine Lagarde ist eine unerwartete, vielleicht sogar sensationelle Wahl für die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB). Unerwartet deshalb, weil erstmals eine Politikerin ohne gelpolitische Erfahrung an die Spitze dieser Institution rückt. Als Juristin war sie zunächst vier Jahre Wirtschafts- und Finanzministerin in Frankreich bevor sie 2011 zur Direktorin des Internationalen Währungsfonds ernannt wurde.

 

Vollblut-Politikerin statt Ökonomin

Christine Lagarde ist in politischen Kreisen hoch angesehen. Sie ist bekannt für Ihr politisches Geschick und Ihre Verhandlungstaktik, weniger für Ihr ökonomisches Detailwissen. Dies sollte zwar bei so manchen Beobachtern ein Stirnrunzeln hervorrufen, ein Problem sehen wir in diesem Zusammenhang aber nicht. Sicherlich wird Sie sich mit einem Team erfahrener Ökonomen umgegeben. Viel wichtiger dürfte die Frage sein, welche Geldpolitik sie mit diesem Team in den kommenden Jahren in der Eurozone verfolgen wird. Mit anderen Worten: Tritt sie in die Fußstapfen Ihres Vorgängers Mario Draghi oder verfolgt sie eine etwas restriktivere, auf Stabilitätskriterien basierende monetäre Gangart? Aus unserer Sicht weder noch. Die Verbindung zur Politik wird enger und die Politik expansiver.

 

Die EZB rückt noch näher an die Politik

Es hatte den Anschein eines deutsch-französischen Kuhhandels: Die Deutschen opfern für Christine Lagarde den Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann, der bis dahin als aussichtsreicher Kandidat galt und im Gegenzug wird Ursula von der Leyen als Präsidentin der Europäischen Kommission nominiert. So werden leider Spitzenpositionen in Brüssel vergeben. Aber was für uns noch schwerer wiegt: Mit der Nominierung Lagardes haben die politischen Eliten in Europa den politischen Sachverstand dem wirtschaftlichen vorgezogen. Leider haben sich viele Zentralbanken, auch die EZB, angreifbar gemacht, weil in den vergangenen Jahren ihr Mandat extrem expansiv interpretiert und teilweise nach Ansicht vieler überschritten haben. Die so gerne zitierte Unabhängigkeit unserer Zentralbank zweifeln wir seit Jahren an. Nun haben die Staats- und Regierungschefs eine der ihren zur Chefin an die Spitze der Notenbank gesetzt und diesen Eindruck verstärkt. Staaten und Zentralbank rücken somit noch enger zusammen – ein weiterer Schritt zur Gleichschaltung von Politik und Notenpresse.

 

Die Geldpolitik bleibt, wie sie war – nur expansiver

Wie viele andere Politiker in einem Umfeld überschuldeter Staaten bevorzugt Christine Lagarde ebenso eine Politik mit negativen Zinsen zur Bekämpfung deflationärer Risiken. Diese Politik, die in vielen Bereichen zu dramatischen Verwerfungen führt und die Altersvorsorgesysteme einen langsamen Tod beschert, dürfte weitergeführt und im Zweifel verstärkt werden. Für Frankreich und die südeuropäischen Länder sind das gute Nachrichten. Budgetdefizite werden so nicht mit steigenden Zinsen sanktioniert. Der Vermögenstransfer vom Gläubiger zum Schuldner findet so seine Fortsetzung. Der Gläubiger bekommt für sein Erspartes keinen Zins oder wird über negative Realzinsen Stück für Stück enteignet. Und wer glaubt, mit Banknoten unter dem Kopfkissen dem Negativzins ein Schnäppchen schlagen zu können, hat die Rechnung ohne die neue EZB-Präsidentin gemacht. Christine Lagarde hat sich in den vergangenen Jahren als entschiedene Bargeld-Gegnerin positioniert. Wir erwarten in den kommenden Jahren Maßnahmen mit dem Ziel die Bargeldbestände im Euroraum entsprechend stark zurückzudrängen. Unter dem noch amtierenden Präsidenten Mario Draghi wurde schon mal der 500 Euro-Schein abgeschafft. Die Begründung dafür sollten wir in Zukunft noch öfter hören: Terrorfinanzierung, Schwarzarbeit und Geldwäsche. In Wirklichkeit lässt sich finanzielle Repression und Überwachung in einer bargeldlosen Welt wesentlich leichter umsetzen.

 

Weiterhin zinsloses Umfeld für Anleger

Lagarde wird als EZB-Chefin die Konjunktur durch Negativzinsen und Anleihekäufe stützen. Wir gehen zudem davon aus, dass die EZB ähnlich wie die Bank of Japan früher oder später auch Aktien erwirbt. Als Politikerin wird Lagarde aber noch weitere Maßnahmen ergreifen. Gut möglich, dass sie Deutschland zu einer lockereren Finanzpolitik auffordern und wohl auch Frankreichs Präsident Macron in seinem Drängen für „mehr Europa“ unterstützen wird, um systemische Risiken in der Region zu reduzieren. Alles im Sinne der südeuropäischen Länder und Frankreichs.

Für Anleger bedeutet dies alles ein Fortschreiben der Situation der vergangenen Jahre unter noch extremeren Bedingungen. Die Anlageklasse Anleihen ist als strategischer Vermögensbaustein mittlerweile weitestgehend ausgefallen. Solange der Euroraum in dieser Konstellation zusammenbleibt kann es keine nennenswerten Realzinsen mehr geben. Anleger werden sich zunehmend anderen Anlageklassen zuwenden, solange bis diese ebenso keine attraktiven Renditen mehr abwerfen. Erste Tendenzen sind im Immobilienbereich zu beobachten. Dagegen dürften Edelmetalle und Teile des Aktienmarktes langfristig in diesem Umfeld noch Aufholpotential aufweisen. Der Sparer allerdings wird weiter verlieren, unter Lagarde vielleicht noch schneller.

Kolumne von Markus Steinbeis, Geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

 

Grüne Technologien – Ein klarer Trend

Kolumne von Gerd Häcker, Geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung in München.

Derzeit verfolgen wir eine bedeutende politische Diskussion über den Klimawandel, die angetrieben von Greta Thunberg, der schwedischen Klimaschutzaktivistin, die Welt bewegt. Auch die politische Landschaft scheint sich durch dieses Denken bedeutend zu verschieben. Die neuesten Entwicklungen zeigen uns in diversen Umfragen den Aufschwung einer „Grünen Politik“. Es macht den Anschein, als stehen wir vor einem richtungsweisenden Schwenk zu einem nachhaltigen Denken in der Bevölkerung. Der Schutz unserer Natur wird immer mehr in den Mittelpunkt geschoben. Diese Entwicklung könnte möglicherweise keine „Eintagsfliege“ sein. Welche Implikationen auf unser künftiges Investitionsverhalten das haben kann, beleuchten wir in diesem Beitrag.

Umweltaktien lagen vor vielen Jahren im Fokus der Anleger

Schon in den 90er Jahren sprachen wir erstmals über „Grüne Investments“, den sogenannten Umweltaktien. Hier wurden besonders Abfallentsorgungsunternehmen wie die berühmte Firma Waste Management oder Rollins Environmental an den Börsen gehypt. Es gab Firmen, die sich mit der Wasseraufbereitung mittels UV-Licht Technologien beschäftigten und vieles mehr. Auch der Solarbereich war schon Mitte der 90er Jahre investierbar. Im Bereich der Solarzellenproduktion war beispielsweise die Firma Astropower als größtes unabhängiges börsennotiertes Unternehmen ein sehr erfolgreiches Investment.

Die Konsolidierung der Märkte und neuer Hype

Nach der Euphorie im Jahr 2000 und dem darauffolgenden Niedergang der Aktienmärkte sprach man nicht mehr allzu viel über Aktien aus dieser Branche.  Ein paar Jahre später kam es zum zweiten Hype im Solarbereich. Nach einem mehrjährigen Aufschwung mussten Anleger, die in der Euphorie aufgesprungen waren, leider substantielle Verluste ihres Kapitals hinnehmen, die nicht selten in einem Totalverlust endeten (Q-Cells, Solarworld, etc.). Auch bei Anleihen solcher Schuldner kam es zu deutlichen Entwertungen. Die große Konkurrenz der asiatischen und nordamerikanischen Anbieter brachten damals die Preise so unter Druck, dass sogar einige Firmen in die Insolvenz gingen.

Ökologie mit ökonomischem Sachverstand – Emotionales Handeln ist gefährlich

Wir stellen fest, dass eine Reihe von Kapitalmarktteilnehmern sehr emotional agiert. Viele Anleger möchten einfach „etwas Gutes“ mit ihrer Geldanlage unterstützen. Das ist sicher ein positiver Gedanke. Dieser führt aber leider nicht immer zu den gewünschten Ergebnissen. Es ist nicht damit getan, in einen Korb von Aktien aus dem Nachhaltigkeitsbereich zu investieren. Nein, der Anleger muss genau hinsehen und überlegen, ob diese Geschäftsmodelle wirklich tragfähig sind und später rentabel am Markt agieren können. Ansonsten dürfte es wohl erneut zu heftigen Verlusten kommen, so wie wir das in der Vergangenheit schon öfters erleben mussten. Ein Beispiel: Ich verfolge seit ca. 15 Jahren eine Firma, die Strom mittels Bojen im Meer produziert. Ein sehr interessantes Thema, wie ich finde. Die Firma ist für mich jedoch immer noch nicht investierbar, da die Anteile der Aktionäre an der Firma laufend mittels Kapitalerhöhungen verwässert werden. Erst wenn solche Unternehmen nennenswerte Umsätze und starkes Wachstum zeigen, darf man sich vorsichtig an eine solche Aktie wagen.

Der Fokus wird in Zukunft klar auf neue Grüne Technologien gesetzt

Wir denken, dass sich in der Wirtschaft und insbesondere auf der Nachfrageseite in Zukunft ein klares Bild ergeben wird. Der Verbraucher handelt bewusster und die Politik wird in Richtung nachhaltigem Denken regulieren und fördern. Daher werden Anbieter grüner Technologien hochinteressant für Anleger. Die Fondsindustrie dürfte wieder neue Produkte lancieren, um dieses Thema umzusetzen. Die Nachfrage nach Aktien und Anleihen solcher Unternehmen wird damit strukturell wachsen. Das bietet Chancen für unsere Mandanten.

Welche Themen sind hier besonders interessant?

Anbieter, die mit ihren Innovationen erdölbasierte Produkte substituieren, sind für mich besonders interessant. Es gibt heute schon Anbieter, die an diversen Lösungen forschen, die mittels nachwachsender Rohstoffe beispielsweise Fasern für Textilien oder Zusatzstoffe für Sonnenöl entwickeln. Im Bereich der Kraftstoffe stehen uns schon bald synthetische E-Fuels zur Verfügung. Und es wird noch viele andere interessante und sinnvolle Lösungen geben, die uns weiterbringen werden. Daher werden wir nun besonders aufmerksam dieses Segment des Aktienmarktes verfolgen. Hier werden sich in Zukunft noch große Chancen für unsere Portfolien ergeben.