Denkst Du noch selbst oder bist Du schon virtuell? Chancen und Grenzen Künstlicher Intelligenz

Von Markus Merkel, Leiter Mandate und Kooperationspartner der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh in München

Neben „Blockchain“ und „Bitcoin“ sind Einsatzmöglichkeiten rund um Konzepte so genannter „Künstlicher Intelligenz“ (KI) eine der wohl am meisten diskutierten Innovationen der jüngeren Vergangenheit. KI versteht sich dabei als Schnittstellentechnologie von Informationsverarbeitung (Big Data), Digitalisierung, Robotik, Psychologie, Haustechnik, Verkehrswesen u.a.m. Regelmäßige Leser unserer Kolumne wissen es: Strukturelle Wachstumstreiber und neue Herangehensweisen, die althergebrachte Standards auf den Kopf stellen, sind ergänzender Bestandteil unserer Investmentlösungen. Dieser Aufsatz unternimmt insofern den Versuch die vielfältigen Ausprägungen Künstlicher Intelligenz einzuwerten und bereits heute für den Kapitalanleger nutzbare Geschäftsmodelle anzusprechen.

Breites Anwendungsspektrum

Nach allgemeiner Lesart meint Künstliche Intelligenz einen Zweig der Informatik, der sich mit der Entwicklung von Computersystemen befasst, die selbständig Funktionen ausführen können, für die normalerweise menschliche Intelligenz erforderlich ist. Beispielsweise logisches Denken, Problemlösung, Lernen aus Erfahrung oder Bild- und Spracherkennung.

Eine schematische Klassifizierung der Anwendungsgebiete Künstlicher Intelligenz lässt folgende dreiteilige Einteilung zu: Anwendungen rund um bislang rein menschliche Sensorik, bei der Sinne optimiert oder erstmals entwickelt werden. Etwa im Zusammenhang mit Mustererkennung von Gesichtern an Flughäfen oder Haustüren, in der Bildverarbeitung und nicht zuletzt bei sprachlicher Interaktion mit dem elektronischen Butler (Siri, Alexa etc.) Des Weiteren kommt Künstliche Intelligenz immer dort zur Anwendung, wenn es darum geht, umfangreiches, gleichwohl gleichartig strukturiertes Daten- und Textmaterial aufzuarbeiten und auszuwerten. Hierbei werden Menschen von stupiden Routinetätigkeiten mit hoher Fehleranfälligkeit ermüdungsfrei entlastet. Letztlich bildet Künstliche Intelligenz überall dort eine erweiternde Dimension zu bestehenden Apparaten, wo Präzisionstechnik in Verbindung mit hohen Qualitätsanforderungen und bei großen Stückzahlen gefordert sind, wie etwa in der Fertigungstechnik der Automobilwirtschaft. Denken wir aber auch an (Haushalts-)roboter, die dialogorientiert und interaktiv Abläufe verlässlich gestalten, autonome Fahrzeuge oder auch Operationstechnik im Bereich Humanmedizin.

Die eine, einzigartige KI-Anwendung gibt es in unser aller täglichem Leben also nicht. Vielmehr bestehen bereits heute vielfältige Verzahnungen, manches offensichtlich, anderes eher mittelbar.

Künstliche Intelligenz hält Einzug in der Finanzindustrie

In der Finanzindustrie finden sich derzeit drei Ausprägungen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz. So hat die Investmentindustrie dedizierte Branchenfonds aufgelegt, die als technologische Sektorfonds mit entsprechendem Chance-/Risikoprofil entlang der Wertschöpfungskette der Künstlichen Intelligenz investieren. Andere Anbieter versuchen, als Weiterentwicklung quantitativer Auswahlprozesse, Investmentfonds rein durch selbstlernende Algorithmen verwalten zu lassen. Der Nachweis eines Mehrwerts solcher Vorgehensweisen steht ebenso noch aus, wie die dauerhafte Daseinsberechtigung der zuletzt, gleich Pilzen aus dem Boden schießenden Robo-Advisors. Einen sehr maßgeblichen Einfluss kann Künstliche Intelligenz jedoch auf das traditionelle Berufsbild des Investmentanalysten haben. Werden Research-Empfehlungen zukünftig mehr und mehr durch selbstlernende Auswertungen immenser Datenmengen formuliert oder bleibt Künstliche Intelligenz nur der Co-Pilot des eigenständigen Analysten bzw. Fondsmanagers, der ihm das Studium schematisierter Bilanzen und Geschäftsberichte abnimmt?

Jetzt in Künstliche Intelligenz investieren?

Wie dem auch sei: Ein abschließendes Urteil, ob Investitionen in Künstliche Intelligenz smarte Investitionschancen bieten oder nur ein weiteres technologisches Millionengrab darstellen werden, kann derzeit noch nicht getroffen werden. Es ist durchaus nicht unüblich für Innovationen solcher Art, dass es häufig die marktführenden Unternehmen sind, die in den jeweiligen Teilbereichen dauerhaft investitionswürdige Geschäftsmodelle entstehen lassen. Es kann ein guter Plan sein, sich denjenigen Firmen zuzuwenden, die Fahrzeuge sicher und parkraumsparend durch den Verkehrsfluss steuern, bundesweiten Kapazitätsausgleich innerhalb von Stromnetzen sicherstellen, an Verkehrsknotenpunkten die Sicherheit zur Terrorabwehr erhöhen, alleinstehenden Menschen bei der selbständigen Gestaltung ihres Alltags helfen, unser Reise- und Konsumverhalten individualisieren oder das Arbeitsleben vereinfachen und aufwerten.

Bei der Verwaltung von Kundengeldern zählt Mensch und Maschine – genau in dieser Reihenfolge

Wir bei steinbeis und häcker vermögensverwaltung sind aktuell der Überzeugung, dass Künstliche Intelligenz immer nur eine Arbeitshilfe zur Aufbereitung gleichförmig strukturierten, umfangreichen Datenmaterials sein kann, niemals aber langjährige Erfahrung und damit verbunden sachkundiges Agieren an stetig komplexer werdenden Kapitalmärkten ersetzen kann. Auch Empathie und Intuition im zwischenmenschlichen Gespräch mit Unternehmenslenkern werden immer eine beratende Dömane bleiben, an die Kollege Computer allein nicht heranzureichen vermag. Das Zusammenspiel von Mensch und Maschine unter dem Primat des Menschen sollte also im Sinne der anvertrauten Kundengelder nicht voreilig ausgeblendet werden.

 

Zinsanstieg erhöht kurzfristig die Nervosität an den Finanzmärkten

Kolumne von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

Der jüngste weltweite Anstieg der Renditen erhöht derzeit die Nervosität vieler Investoren und führt zu intensiven Schwankungen an den internationalen Kapitalmärkten. Die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen nähert sich Schritt für Schritt der von uns erwarteten 3-Prozent-Marke, welche die Obergrenze des jahrzehntelangen Abwärtstrends der Renditen darstellt und deshalb von Anlegern mit Argusaugen verfolgt wird.

Entscheidend bleiben aus unserer Sicht aber weiterhin die realen Zinsen, d.h. die nominalen Zinsen abzüglich der Inflationsrate. Nur zur Erinnerung: Wir haben immer wieder betont, dass wir keinen dauerhaften und nachhaltigen Anstieg der realen Renditen weltweit erwarten, die in einer hoffnungslos überschuldeten Welt dramatische Verwerfungen zur Folge hätten. Auch derzeit werden die nominalen Zinsen von einem deutlichen Anstieg der Inflationserwartungen in USA begleitet. „Zinsanstieg erhöht kurzfristig die Nervosität an den Finanzmärkten“ weiterlesen

Kapitalanlage Wald: Sicher kein Holzweg!

Kolumne von Gerd Häcker, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

Eine nachhaltige, „grüne“ Anlageklasse konnte sich über viele Jahre im Schatten der hochgejubelten Technologieaktien ausgezeichnet entwickeln. Wer in Bäume investiert hat, war in den vergangenen Jahren nicht auf dem Holzweg und dürfte es wohl auch zukünftig nicht sein, denn die Nachfrage nach dem Rohstoff Holz wächst. So verwundert es kaum, dass viele große Anleger einen Teil ihres Vermögens, oft über Generationen hinweg, in der Forstwirtschaft investiert haben. Dass man nicht unbedingt große Anlagesummen zur Verfügung haben muss, um in Wald zu investieren, zeigen eine große Zahl an Aktiengesellschaften mit Waldbesitz. Eine ideale Möglichkeit an der positiven Entwicklung der Branche zu partizipieren.

Hohe Renditen mit realen Werten

Die Anlageklasse Wald ermöglicht es dem Anleger in reale Vermögenswerte (d.h. Landbesitz und nachwachsende Rohstoffe) zu investieren und gleichzeitig attraktive Ausschüttungen zu erzielen. Neben dem direkten Erwerb von Forst und Ländereien bieten Aktien im Bereich Waldbesitz und Holzverarbeitung eine sehr attraktive Alternative. Die Renditen dieser sogenannten Waldaktien über mittel- bis langfristige Zeiträumen lagen sehr oft in Bereichen von 10 bis 12 Prozent (Kursgewinne zuzüglich Dividenden). Die attraktive Wertentwicklung lässt sich neben den gestiegenen Landpreisen durch das natürliche Wachstum der Bäume erklären. Zudem steigt der Marktwert des Holzes mit fortschreitendem Alter der Bäume weiter an. Erfolgreiche „Waldbewirtschafter“ haben die „taktische Option“, in Zeiten von niedrigen Marktpreisen für ihre Holzprodukte die Bestände weiter wachsen zu lassen. Die Holzernte erfolgt dann später bei gestiegenen Preisen.

Welche Regionen kommen für eine Investition in Wald in Frage?

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Ein gutes Jahr an den Kapitalmärkten liegt hinter uns

Von Markus Steinbeis, Geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker Vermögensverwaltung gmbh

Politische Risiken und Veränderungen haben wieder einmal ein Jahr an den internationalen Kapitalmärkten geprägt. Zunächst sorgte im Frühjahr 2017 die Konstellation in Frankreich im Vorfeld der Wahl für große Verunsicherung bei den Investoren. Letztendlich entschieden sich die Wähler aber für einen jungen Präsidenten, der deutlich machte, dass man auch mit einem pro-europäischen Kurs Mehrheiten gewinnen kann. Im Herbst des Jahres taten es die Österreicher der Grand Nation gleich und wählten ebenso einen unverbrauchten Newcomer, der allerdings, außer des jungen Alters, wenig politische Schnittmengen mit Emmanuel Macron aufweist. Dazwischen lag allerlei Bemerkenswertes: Katalonien strebte vehement nach Unabhängigkeit, in China konzentriert sich die Macht nach dem Nationalen Volkskongress noch stärker um Staats- und Parteichef Xi Jinping und in den USA bewegt sich Präsident Trump auf dem politischen Parkett wie der berüchtigte Elefant im Porzellanladen. Immerhin konnte in Washington die lang erwartete Steuerreform im Dezember in letzter Minute noch durch Repräsentantenhaus und Senat geboxt werden.

Und dann waren da noch die Verhandlungen zum Brexit, die sich erwartungsgemäß als zäh und schwierig erwiesen. Theresa May erscheint zunehmend innenpolitisch geschwächt. Zudem kippt die Stimmung in der Bevölkerung im Vereinigten Königreich. Laut jüngsten Umfragen befürwortet inzwischen eine Mehrheit der Briten einen Verbleib in der Europäischen Union (EU). In unserer Kolumne „Exit vom Brexit“ haben wir schon im September 2017 frühzeitig die Möglichkeit eines Verbleibs Großbritanniens in der EU erörtert.

Auch auf der geopolitischen Seite gab es im Jahresverlauf ausreichend Belastungsfaktoren. Neben dem eingefrorenen Konflikt in der Ukraine und den latenten Spannungen im südchinesischen Meer ist die Nordkorea-Krise verbal eskaliert. Vor dem Hintergrund zahlreicher Raketentests auf der koreanischen Halbinsel beschimpften sich der nordkoreanische Führer und US-Präsident Trump mit üblen Sprüchen in aller Öffentlichkeit. Darüber hinaus verschärften sich die Auseinandersetzungen im nahen Osten zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, die seit vielen Monaten im Jemen bereits einen Stellvertreterkrieg führen.

Eine Zeit lang wurden die guten wirtschaftlichen Meldungen vom Lärm übertönt, den Trump und andere machten. Doch diese Entwicklungen haben die Kapitalmärkte allenfalls temporär belastet. Die anhaltend sehr expansive globale Geldpolitik, niedrige Inflationsraten und erfreuliche Wirtschaftsdaten trieben die Stimmung von Unternehmen und Konsumenten im Jahresverlauf auf Rekordhochs. Global gesehen hat sich die Wirtschaft im vergangenen Jahr so gut entwickelt wie seit 2011 nicht mehr. In einem weltweit synchron verlaufenden Aufschwung dürfte das globale

Bruttoinlandsprodukt um mehr als 3,5 Prozent gewachsen sein. 2016 betrug der Anstieg noch 3,1 Prozent. Es ist äußerst selten, dass alle G-20-Volkswirtschaften gleichzeitig zum Wachstum beitragen. Es ist daher leicht nachvollziehbar, dass in diesem Umfeld Investoren weltweit ihre Risikoaversion beiseitelegten. Dies war in weiten Teilen an den Aktienmärkten erkennbar, die in Lokalwährung weltweit deutlich zulegen konnten, während die Rentenmärkte überwiegend auf der Stelle traten. Der Euro wertete 2017 gegenüber nahezu allen wichtigen Währungen auf. In der Konsequenz verminderte das die Wertentwicklung der Anlage auf Eurobasis spürbar. Ein Wermutstropfen für Anleger hierzulande.

Wertentwicklung ausgewählter Anlageklassen 2017 in EUR

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