5.000 Euro zinsloser Kredit an Italien – von jedem Bundesbürger

Von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

Eine trügerische Ruhe machte sich in den vergangenen Monaten und Jahren im Euroraum breit. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit Hilfe niedriger Zinsen und indirekter Staatsfinanzierung die südeuropäischen Krisenländer am Leben gehalten. Im Rausch des jüngsten Konjunkturaufschwungs versuchen weite Teile der politischen Klasse den Eindruck zu erwecken, die Finanzprobleme des Euroraums seien im Griff und ohne größere Eingriffe dauerhaft lösbar. Dumm nur, dass es in einer Demokratie, wie jüngst in Italien, immer wieder zu Wahlen kommt, die nicht das vom politischen Establishment gewünschte Ergebnis bringen und damit die Konstruktionsfehler der europäischen Einheitswährung wieder in die öffentliche Diskussion geraten.

Italien – Europakritische Parteien auf dem Vormarsch

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Der aufkommende Protektionismus macht Anleger nervös

Waren es in den vergangenen Monaten in erster Linie steigende Zinsen, die für Unruhe an den internationalen Finanzmärkten geführt haben, so sorgen mittlerweile die von den USA und China angedrohten Handelsbeschränkungen und Zölle für eine erhöhte Nervosität unter den Anlegern. Stehen wir am Beginn eines neuen globalen Handelskrieges? Sicherlich, man kann diese Sorge teilen, vor allem wenn man in den Medien die wenig zurückhaltend formulierten Forderungen und Drohungen ranghöchster Politiker aus USA, Asien und Europa verfolgt. Diplomatie und Toleranz werden in diesen Tagen auf dem Altar der sozialen Medien wie Twitter und Facebook geopfert – ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Wir bekommen immer mehr den Eindruck, dass wir uns am Beginn einer neuen Epoche befinden. Protektionistische Tendenzen bedrängen die multilateralen Handelssysteme, Populismus wird in der politischen Rhetorik zunehmend bemüht und auf geopolitischer Ebene kann man Vorboten eines neuen Kalten Krieges erkennen. All diese Entwicklungen und Erkenntnisse gilt es in den kommenden Monaten und Jahren in der Anlagepolitik zu berücksichtigen.

Die Trump-Agenda

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Nanotechnologie – da war doch was. Ein Update nach zwanzig Jahren

Von Markus Merkel, Leiter Mandate und Kooperationspartner der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh in München

Es muss wohl kurz nach der Jahrtausendwende gewesen sein. Ich hatte meine erste Festanstellung angetreten und im Kollegenkreis kursierte Literatur, die sich um Investitionsmöglichkeiten in den Sektor Nanotechnologie oder auch um die wertschöpfende Kraft von Nanobiotechnologie drehte. Herumgereicht wurden einige Hot Stocks aus dem Small und Micro Cap – Bereich. Wahrscheinlich hatte ich glücklicherweise einfach zu wenig Geld, um es an der Börse mit diesen Titeln zu verlieren. Aber vielleicht sollte man ja auch nicht zu früh aufgeben und derartigen Geschäftsmodellen eine zweite Chance geben. Schau mer mal…

Nanotechnologie – worum es geht

„There’s Plenty of Room at the Bottom“ (Ganz unten ist eine Menge Platz). So der Nanotechnologie-Pioneer Richard Feynman im Jahre 1959. Der Sammelbegriff Nanotechnologie leitet sich aus dem altgriechischen Wort für „Zwerg“ ab und meint das Zusammenspiel z.B. von Physik, Chemie, Biotechnologie, Elektronik, Materialforschung und Humanmedizin. Diese Wissenschaft bewegt sich dabei in Größenverhältnissen von einem Atom bis etwa 100 Nanometer (nm). Ein menschliches Haar wächst in zwei Minuten um diese 100 nm. In diesem extrem kleinteiligen Bereich ist es mittlerweile möglich gezielt den Bauplan der Natur durch Menschenhand entscheidend zu verändern.

Investitionsmöglichkeiten damals (2002) und heute (2018)

Es waren anfänglich Unternehmen wie BASF, Henkel, Degussa, Masterflex, Jenoptik, Qiagen, Aixtron, IBM, KLA Tencor, Hewlett Packard und Veeco, die heute im besten Sinn als Dinosaurier der Nanotechnologie gelten dürfen. Freilich sind nicht mehr alle operativ tätig und einige haben auch eine überaus wechselvolle Kursentwicklung hinter sich. Damals wie heute stellt die US-amerikanische Technologie-Schmiede (Nasdaq) einen Fundus an Unternehmen mit nanotechnologischem Hintergrund. Global betrachtet sind es in unseren Tagen Anbieter von innovativen Beleuchtungs-systemen, Hersteller von unverzichtbaren Rasterelektronen-Mikroskopen, Entwickler neuartiger Materialeigenschaften, fokussierte Beteiligungsgesellschaften, Hersteller individuell abgestimmter Medikamente oder auch zielgerichteter Krebsmedikationen, die diskutiert werden, wenn es darum geht, ob Nanotechnologie-Unternehmen investitionswürdig sein könnten.

Sicherheit durch Wachstum – bitte nicht das Kind mit dem Bade ausschütten

Natürlich bleibt es dabei. Wir bei steinbeis & häcker agieren als konservativer Vermögensverwalter mit besonderer Ausrichtung auf Qualitätswerte aus der Realwirtschaft. Gerade deshalb, weil robustes Risikomanagement von zentraler Bedeutung ist, müssen wir uns auch neu aufkommenden Geschäftsmodellen zuwenden, die nach traditionellen Value-Maßstäben wohl keinen zweiten Blick wert wären. Disruptive „Game changer“ bzw. strukturelle Wachstums-Treiber dürfen nicht dogmatisch ausgeblendet werden. Eine gute Initialzündung kann ein anziehendes Umsatzwachstum sein, ist dies doch schlicht und einfach der Reflex darauf, dass die Produkte eines Unternehmens am Markt honoriert werden. Die besten derartigen Unternehmen verbessern nicht einfach nur bestehende Produkte und Lösungen, sondern schaffen grundsätzlich neue Anwendungsformen.

Fazit: Interessantes Thema, aber (noch) schwer investierbar

Ich will im Rahmen dieser Kolumne keinesfalls die denkbaren mannigfaltigen Risiken ausblenden, die mit nanotechnologischen Anwendungen einhergehen könnten. Jedoch ist dieser Text ausschließlich aus der Perspektiv eines Vermögensverwalters verfasst.

Zwanzig Jahre nachdem sich die Investmentindustrie erstmals Unternehmen mit nanotechnologischen Produkten zugewandt hat, drängt sich u.E. eine Allokation, auch von Marktführern, noch nicht auf. Unverändert sind es multi-nationale Konzerne, die vergleichsweise geringfügige Umsatzanteile aus diesem Segment erlösen. Letztlich sind es aber genau diese Large Caps, die in der Lage sind in zunehmendem Maße Forschungsbudgets bereitzustellen. Die Bereitstellung von Forschungsmitteln zugunsten von Kompetenz-Centern an unseren Universitäten ist nach wie vor auf hohem Niveau gegeben.  Wohlgemerkt: Technologische Spitzenleistung ist der einzige nennenswerte Rohstoff über den wir hierzulande verfügen. Andererseits finden sich ausgesprochene Nebenwerte, die vielfach gerade erst der Start-Up Phase entwachsen sind und noch kaum nennenswerte Umsatzerlöse aus rein nanotechnologischen Produktlinien vorweisen können. Macht aber nichts! Wir bleiben grundsätzlich aufgeschlossen und werden unverändert wie auch bisher schon die Management-Teams ausgewählter Nanotechnologie-Firmen persönlich treffen und begleiten. Die Kooperation mit einschlägigen Forschungsinstituten kann hierbei nur hilfreich sein. Bleiben also auch Sie gespannt.

Nationaler Volkskongress in Peking und seine Implikationen

Von Simon Staudinger, ASPOMA Asset Management

In den letzten Tagen begann in Peking der Volkskongress, die Jahrestagung des chinesischen Parlaments. Die wichtigsten Tagesordnungspunkte sind dabei die Aufhebung der Beschränkung des Präsidenten auf zwei Amtszeiten, was Xi Jinping ermöglicht, in 5 Jahren eine weitere Amtszeit anzutreten, sowie die Bekanntgabe der wirtschaftspolitischen Zielgrößen für das Jahr 2018. Die Einschätzungen von ASPOMA dazu sind:

Die Nachricht über die Aufhebung der Amtszeitbegrenzung des Präsidenten ist eine positive Entwicklung, wenn man davon ausgeht, was wir tun, dass die wichtigsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen von Xi Jinping, die angebotsseitige Wirtschaftsreformen (Reform der Staatsbetriebe) und die Seidenstraßen-Initiative, positiv sind.

  1. Während viele die Rückkehr zum Führungskult wie zu Zeiten Mao Tse-tungs als längerfristiges Risiko für die (innen)politische Stabilität betrachten, bedeutet es für kürzer- bis mittelfristig orientierte Anleger (z. B. 5 bis 8 Jahre) genau das Gegenteil. Investoren können dadurch von einer Fortsetzung der von Xi eingeleiteten Reformen ausgehen – und dies wird über die nächsten fünf Jahre hinaus ermöglicht.
  2. Präsident Xi Jinping hat bereits eine äußerst wichtige Voraussetzung für die anhaltende Stabilität in China geschaffen: in den Augen der Bevölkerung konnte er die Legitimität der Volksrepublik China durch die massive Antikorruptionskampagne wiederherstellen. Deren Fokus hat sich im vergangenen Jahr zunehmend auf den Finanzdienstleistungsbereich verlagert.
  3. ASPOMA sieht das harte Vorgehen gegen das Schattenbankwesen als konstruktiv, da sich die dadurch ausgelösten Finanzmarktturbulenzen immer wieder negativ auf Chinas Privatwirtschaft auswirkten. Die derzeitige Politik des Schuldenabbaus bringt natürlich das Risiko mit sich, dass es negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft geben könnte.
  4. Ein weiterer Beweis für Pekings anhaltendes Engagement für Reformen und die Begrenzung des Schuldenwachstums ist, dass Xi’s Top-Wirtschaftsberater Liu He Anfang März als Vizepremier nominiert wird. Liu He ist weithin bekannt für sein Engagement bei der Reform der Staatsbetriebe und den Bemühungen, die hohe Unternehmensverschuldung in den Griff zu bekommen.
  5. Die anhaltenden Schuldenbegrenzungsmaßnahmen werden letztlich dazu führen, dass weniger Unternehmenskredite für staatsnahe Unternehmen verfügbar sind und teurer werden. Dies sollte wiederum die Finanzierungsmöglichkeiten für den Privatsektor verbessern, der sich ohnehin viel besser und gesünder entwickelt.
  6. ASPOMA hat einen besonderen Fokus auf führende, qualitativ hochwertige private Unternehmen, die sich mit Trends befassen, die die zukünftige Entwicklung der chinesischen Gesellschaft bestimmen und dominieren werden.
  7. Premierminister Li Keqiang verkündete einen Zielwert für das BIP-Wachstum in 2018 von „etwa 6,5%“. Der Zielwert ist unverändert gegenüber 2017. Gleichzeitig signalisierte er jedoch eine deutlich geringere Unterstützung der Politik – mit einem deutlich niedrigeren Ziel für das Haushaltsdefizit und einer anhaltend niedrigen Geldmengenausweitung. Da es schwierig sein wird, ein stabiles Wachstum bei reduziertem Stimulus zu erhalten, wird eine Abschwächung des BIP-Wachstums auf 6,3% im Jahr 2018 von 6,9% im Jahr 2017 erwartet.

Simon Staudinger ist Investmentexperte für die japanischen und chinesischen Kapitalmärkte und Mitglied des Investmentteams von  ASPOMA Asset Management, einer auf Asien spezialisierten Investmentgesellschaft.