Wie Blockchains die Welt verändern

Kolumne von Dominik Hauger, Partner der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

Blockchains erarbeiten sich nach und nach einen Platz in den Massenmedien. Kürzlich erst hatte der Mitbegründer der Ethereum Blockchain, Vitalik Buterin, ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin. „Putin weiß was Blockchain ist“, antwortete Buterin auf eine Interviewfrage einige Tage später und tatsächlich hat die Moscow Stock Exchange nun die Tore für Cryptocurrency Trading geöffnet. Dies ist nur ein Beispiel, das zeigt, wie sehr diese neue Technologie unsere Zukunft beeinflussen wird. Es ist jetzt Zeit, sich mit der Vision auseinanderzusetzen, um die riesigen Möglichkeiten nützen zu können, die sich gerade eröffnen. Wie bei allen Technologien muss man die Blockchain nicht bis ins letzte Detail verstehen. Um die Vorteile nutzen zu können, ist es jedoch wichtig, die Grundlagen zu kennen, um die vielen rasch entstehenden Projekte bewerten zu können. Fangen wir also an.

Understanding Blockchain

Die Blockchain kann verstanden werden als eine verteilte Datenbank. Jeder Teilnehmer speichert sich eine Kopie der Datenbank und alle paar Minuten oder Sekunden wird ein Update gemacht. Dieses Update ist dann der neue Block in der Blockchain.
Diese Grundstruktur birgt sofort einige interessante Konsequenzen, denn wenn etwas einmal zu der Blockchain hinzugefügt wurde, dann ist es nicht mehr rückgängig zu machen. Dadurch folgt auch, dass nichts zensiert werden kann. Die Blockchain ist einerseits komplett transparent: Jeder kann sich eine Kopie der Blockchain anfertigen und diese betrachten und analysieren. Andererseits ist die Blockchain auch anonym, da niemand zu einer Zahlenfolge eine bestimmte Identität zuweisen kann.
Dieses Zusammenspiel aus einer offenen und verteilten Datenbank und einem organisierenden Algorithmus generiert ein Netzwerk, dem vertraut werden kann, ohne dass man seine Handelspartner kennt. Wenn Ihnen jemand ein Bitcoin sendet, dann können Sie sicher sein, dass dieser Bitcoin nicht doppelt ausgegeben wurde. Das Lösen des „double-spending“-Problems hatte die Cybercommunity schon seit den 90er Jahren beschäftigt. Dann im Jahre 2009 veröffentlichte eine Gruppe unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ das Bitcoin Protokoll und seitdem arbeiten Entwickler aus der ganzen Welt daran, diese neuartige Netzwerktechnologie zu verbessern und andere Anwendungsfälle zu entwickeln. Ein Projekt aus dem Forschungszentrum CERN zum Beispiel, lässt jeden der einen Computer besitzt, teilnehmen an den großen Rechenaufgaben der Forschungseinrichtung. Wenn nun eine bestimmte Rechenleistung erbracht wurde, dann wird ein „Gridcoin“ (GRC) ausgezahlt. Auf diese Weise werden wichtige Berechnungen für CERN Projekte durchgeführt und gleichzeitig kann eindeutig festgestellt werden, wie viel Leistung erbracht wurde und diese dann angemessen entlohnt werden.

Maersk geht in die Offensive

Ein weiteres Anwendungsbeispiel aus einem ganz anderen Gebiet liefert die größte Containerschiff Reederei der Welt, Maersk. Dabei dient die Blockchaintechnologie als Abwicklung für die logistischen Prozesse. Im Gegensatz zu Bitcoins oder Gridcoins wird diese Blockchain jedoch nicht öffentlich sein. Nur ausgewählte Zulieferer von Maersk dürfen am Netzwerk teilnehmen. Doch welche Vorteile verspricht sich Maersk durch die Nutzung einer Blockchain?
Dafür muss zuerst verstanden werden mit welchem Problemen Maersk tagtäglich umzugehen hat. Wir stellen uns vor, wie ein Containerschiff vom Hamburger Hafen ausläuft. Es wird nun um die ganze Welt reisen, bis es wieder in Hamburg ankommt und in dieser Zeit etwa zwanzig verschiedene Häfen anlaufen. Bei jedem Hafen werden verschiedenste Container an verschiedene Kunden übergeben. Der Kunde braucht eine Bestätigung, dass der Container übergeben wurde und Maersk braucht auch eine Bestätigung, dass der Kunde den Container übernommen hat. Bis jetzt muss für jeden Container eine Vielzahl von Dokumenten ausgefüllt werden. Diese administrativen und bürokratischen Aufgaben erzeugen immense Prozesskosten. Zusätzlich muss jeder Container in einem elektronischen System erfasst werden, wobei jeder Kunde sowie auch Maersk ein eigenes System besitzen. Jedes einzelne dieser Systeme muss gewartet und aufeinander abgestimmt werden. Ein unnötig hoher Aufwand.
Eine Blockchain liefert hier eine Lösung. Mit einer Blockchain gibt es nur noch ein System,
welches nur noch wenig Wartung benötigt und nicht angreifbar durch Hacker ist. Der Zulieferer bestätigt den Erhalt eines Containers und die Übergabe wird in der Blockchain festgehalten. Der Zulieferer kann sich sicher sein, dass Maersk denselben Container nicht doppelt verbucht und bekommt die richtigen Daten zu dem Container direkt in der Blockchain angezeigt. Falls Parameter im System geändert werden, dann müssen nicht alle Zulieferer ihre Systeme ändern, sondern die Blockchain wird einmalig upgedated und die Änderung wird unmittelbar in Kraft gesetzt.

Effizienz und neue Beschäftigung

Die Blockchain wird in Zukunft nicht nur viele Unternehmen und Regierungen effizienter machen, sondern auch vollkommen neue Arten der Beschäftigung entstehen lassen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Blogger Seite steemit.com. Das Prinzip ist einfach und lässt sich auf viele andere soziale Netzwerke anwenden: Steemit ist ein soziales Netzwerk wie Facebook oder Reddit. Anders als bei den herkömmlichen sozialen Netzwerken werden die Blogposts und Kommentare aber auf einer Blockchain abgespeichert. Dies macht es möglich eine Cryptowährung (Steem), als Belohnung für guten Inhalt, auszuzahlen. Konkret sieht das dann so aus: Ein Blogger oder Journalist schreibt einen Text über sein Lieblingsthema und lädt diesen auf steemit.com hoch. Nun können andere diesen Text lesen und falls der Text gefällt kann er mit einem Upvote belohnt werden. Je mehr Upvotes ein Text bekommt, desto höher wird die Auszahlung. So wird man für Blogs, Kommentare und das Upvoten ausgezahlt. Die Interaktion mit dieser Blockchain ist so einfach, dass die Tatsache über eine Blockchain zu kommunizieren, gar nicht bemerkt wird. So wird die Interaktion mit einer Blockchain in der Zukunft aussehen, also ohne oberflächlich bemerkbare Unterschiede zu unseren jetzigen bekannten Websites, aber mit vielen neuen aufregenden Funktionen, die der Menschheit neue Möglichkeiten an die Hand gibt, um Geschäfte zu führen.

Disruption ensteht

Wir beobachten somit derzeit das Entstehen einer disruptiven Technologie, dessen Ziel es ist zentrale Entitäten und Mittelsmänner obsolet zu machen. Damit werden Kosten gespart, Prozesse werden effizienter und transparenter gestaltet. Diese Vorteile kann jeder Mensch dieser Welt mit einem Internetzugang nutzen. Gleichzeitig bedeutet dies auch eine Bedrohung für viele große Unternehmen und somit wird auch die politische Dimension dieser Technologie deutlich. Es gibt viele kontroverse Meinungen über Blockchains, nicht zuletzt von den Zentralbanken, doch einen Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg wird das nicht haben. Genauso wie Microsoft oder Apple es geschafft haben Programmentwickler dazu zu bringen auf ihrer Platform zu entwickeln, genauso stürzen sich die kreativen Köpfe gerade auf programmierbare Blockchains um die besten Ideen umzusetzen. Das wird der entscheidende Punkt für den Erfolg und Aufstieg der Blockchaintechnologie sein.

Kolumne von Dominik Hauger, Partner der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

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