In Zeiten des Umbruchs

Von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

Das politische Umfeld nimmt immer mehr Einfluss auf das globale wirtschaftliche Geschehen und damit auch auf die Kapitalmärkte. Grundsätzlich bevorzugen wir über ökonomische Sachverhalte zu schreiben und die Situation an den Finanzmärkten zu analysieren, aber in den vergangenen Jahren, insbesondere seit der Finanzkrise, stellen politische Entwicklungen eine wichtige Einflussgröße bei der Beurteilung von Chancen und Risiken einzelner Investitionen dar. Zur professionellen Einschätzung von Aktienmärkten, Zinsen, Währungen und anderen Anlageklassen ist eine „politische Positionierung“ mittlerweile von außerordentlicher Bedeutung.

Wer glaubt, der politische Einfluss auf die Kapitalmärkte sei begrenzt, der irrt sich. Das Gegenteil ist der Fall: wir befinden uns in einer Phase, in der politische Machtansprüche und handelsrechtliche Auseinandersetzungen offen zu Tage treten. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen stehen die USA. Eine überschuldete Weltmacht, die jeden Tag an ökonomischer Relevanz an die aufstrebenden Länder (vor allem in Asien) verliert, beginnt um sich zu schlagen. Ein Zeichen der Schwäche, aber ein gefährliches Zeichen. Handelsrechtliche Konflikte sowie eine aggressive Sanktionspolitik finden verstärkt Anwendungen in einem instabilen geopolitischen Umfeld. Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier gezielt ein Keil zwischen Asien und Europa aber auch zwischen die einzelnen Staaten Europas getrieben werden soll. Wir wissen nun, was der Slogan „America first“ konkret bedeutet: Es ist der sukzessive Ersatz von Multilateralismus durch Unilateralismus.

Weltweit, nicht nur in den USA, sind wir wieder Zeugen großer Veränderungen. Nach dem Kalten Krieg begann der Siegeszug des Kapitalismus über den Kommunismus. Nun hat offensichtlich der Kampf zwischen Globalisierung und Nationalismus begonnen. In immer mehr Ländern entstehen populistische Strömungen, die unverblümt oftmals der Flüchtlingsproblematik und dem unfairen Verhalten von Handelspartnern die Schuld für jegliche politische und ökonomische Malaise zuschreiben. Dieser neue „Politikstil“ findet immer mehr Zustimmung. Die Globalisierung und das exzessive Gelddrucken der Notenbanken hat eben nicht nur Gewinner hervorgebracht, sondern auch eine sehr große Anzahl an Verlierern. Breite Bevölkerungsschichten in der westlichen Welt, allen voran die sogenannte Mittelklasse, kämpft seit Jahren mit stagnierenden oder sinkenden Realeinkommen. Die Abwanderung von Jobs in Billiglohnländer in Kombination mit Digitalisierung und Automatisierung schürt Angst und bildet dadurch den Nährboden für Populismus und Protektionismus. Der große Umbruch hat begonnen.

Euroland: Wiedergeburt einer Krise, die nie tot war

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Der aufkommende Protektionismus macht Anleger nervös

Waren es in den vergangenen Monaten in erster Linie steigende Zinsen, die für Unruhe an den internationalen Finanzmärkten geführt haben, so sorgen mittlerweile die von den USA und China angedrohten Handelsbeschränkungen und Zölle für eine erhöhte Nervosität unter den Anlegern. Stehen wir am Beginn eines neuen globalen Handelskrieges? Sicherlich, man kann diese Sorge teilen, vor allem wenn man in den Medien die wenig zurückhaltend formulierten Forderungen und Drohungen ranghöchster Politiker aus USA, Asien und Europa verfolgt. Diplomatie und Toleranz werden in diesen Tagen auf dem Altar der sozialen Medien wie Twitter und Facebook geopfert – ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Wir bekommen immer mehr den Eindruck, dass wir uns am Beginn einer neuen Epoche befinden. Protektionistische Tendenzen bedrängen die multilateralen Handelssysteme, Populismus wird in der politischen Rhetorik zunehmend bemüht und auf geopolitischer Ebene kann man Vorboten eines neuen Kalten Krieges erkennen. All diese Entwicklungen und Erkenntnisse gilt es in den kommenden Monaten und Jahren in der Anlagepolitik zu berücksichtigen.

Die Trump-Agenda

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Die Angst vor steigenden Zinsen

Der Februar war gekennzeichnet durch ausgeprägte Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten. Das für die Aktienmärkte so oft an dieser Stelle beschriebene ideale Umfeld aus niedriger Inflation, niedrigen Zinsen sowie starkem globalen Wirtschaftswachstum bekam erste Kratzer. Wir hatten erstmals in unserem Marktbericht im November 2017 auf die Risiken hingewiesen, dass diese Kombination historisch extrem selten und sicherlich nicht trendfähig ist. Seit dieser Zeit hat die konjunkturelle Dynamik im Einklang mit der Zuversicht der Investoren nochmals zugelegt. Umfragen unter Anlegern legten die Vermutung nahe, dass angesichts des starken Wirtschaftsaufschwungs Aktien eigentlich gar nicht mehr fallen können – was für ein Trugschluss. Es bedurfte nur eines Auslösers für eine Abkühlung des Optimismus und damit einer Korrektur. Letztendlich übernahm diese Funktion der US-Arbeitsmarktbericht vom Januar, in dem von einem deutlichen Anstieg der Stundenlöhne berichtet wurde. Steigen die Löhne, steigen die Inflationsraten und damit die Zinsen, lautet die einfache Kausalkette vieler Anleger. Und tatsächlich, die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen stiegen auf 2,9 Prozent, 0,5 Prozent über dem Niveau vor einigen Monaten.

In einer völlig überschuldeten Welt ist das eine nennenswerte Bewegung. Zudem konkurrieren Anleihen mit anderen Anlageklassen wie Aktien. Bei nun steigenden Zinsen stellen Anleihen in den USA wieder eine Alternative zum Aktienmarkt dar. Diese Tatsache in Verbindung mit hohem Optimismus der Anleger sorgte für erratische Kursverluste von über 10 Prozent bei vielen internationalen Indizes.

Sorge vor steigenden Zinsen hat mehrere Ursachen

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Zinsanstieg erhöht kurzfristig die Nervosität an den Finanzmärkten

Kolumne von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

Der jüngste weltweite Anstieg der Renditen erhöht derzeit die Nervosität vieler Investoren und führt zu intensiven Schwankungen an den internationalen Kapitalmärkten. Die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen nähert sich Schritt für Schritt der von uns erwarteten 3-Prozent-Marke, welche die Obergrenze des jahrzehntelangen Abwärtstrends der Renditen darstellt und deshalb von Anlegern mit Argusaugen verfolgt wird.

Entscheidend bleiben aus unserer Sicht aber weiterhin die realen Zinsen, d.h. die nominalen Zinsen abzüglich der Inflationsrate. Nur zur Erinnerung: Wir haben immer wieder betont, dass wir keinen dauerhaften und nachhaltigen Anstieg der realen Renditen weltweit erwarten, die in einer hoffnungslos überschuldeten Welt dramatische Verwerfungen zur Folge hätten. Auch derzeit werden die nominalen Zinsen von einem deutlichen Anstieg der Inflationserwartungen in USA begleitet. „Zinsanstieg erhöht kurzfristig die Nervosität an den Finanzmärkten“ weiterlesen