Nationaler Volkskongress in Peking und seine Implikationen

Von Simon Staudinger, ASPOMA Asset Management

In den letzten Tagen begann in Peking der Volkskongress, die Jahrestagung des chinesischen Parlaments. Die wichtigsten Tagesordnungspunkte sind dabei die Aufhebung der Beschränkung des Präsidenten auf zwei Amtszeiten, was Xi Jinping ermöglicht, in 5 Jahren eine weitere Amtszeit anzutreten, sowie die Bekanntgabe der wirtschaftspolitischen Zielgrößen für das Jahr 2018. Die Einschätzungen von ASPOMA dazu sind:

Die Nachricht über die Aufhebung der Amtszeitbegrenzung des Präsidenten ist eine positive Entwicklung, wenn man davon ausgeht, was wir tun, dass die wichtigsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen von Xi Jinping, die angebotsseitige Wirtschaftsreformen (Reform der Staatsbetriebe) und die Seidenstraßen-Initiative, positiv sind.

  1. Während viele die Rückkehr zum Führungskult wie zu Zeiten Mao Tse-tungs als längerfristiges Risiko für die (innen)politische Stabilität betrachten, bedeutet es für kürzer- bis mittelfristig orientierte Anleger (z. B. 5 bis 8 Jahre) genau das Gegenteil. Investoren können dadurch von einer Fortsetzung der von Xi eingeleiteten Reformen ausgehen – und dies wird über die nächsten fünf Jahre hinaus ermöglicht.
  2. Präsident Xi Jinping hat bereits eine äußerst wichtige Voraussetzung für die anhaltende Stabilität in China geschaffen: in den Augen der Bevölkerung konnte er die Legitimität der Volksrepublik China durch die massive Antikorruptionskampagne wiederherstellen. Deren Fokus hat sich im vergangenen Jahr zunehmend auf den Finanzdienstleistungsbereich verlagert.
  3. ASPOMA sieht das harte Vorgehen gegen das Schattenbankwesen als konstruktiv, da sich die dadurch ausgelösten Finanzmarktturbulenzen immer wieder negativ auf Chinas Privatwirtschaft auswirkten. Die derzeitige Politik des Schuldenabbaus bringt natürlich das Risiko mit sich, dass es negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft geben könnte.
  4. Ein weiterer Beweis für Pekings anhaltendes Engagement für Reformen und die Begrenzung des Schuldenwachstums ist, dass Xi’s Top-Wirtschaftsberater Liu He Anfang März als Vizepremier nominiert wird. Liu He ist weithin bekannt für sein Engagement bei der Reform der Staatsbetriebe und den Bemühungen, die hohe Unternehmensverschuldung in den Griff zu bekommen.
  5. Die anhaltenden Schuldenbegrenzungsmaßnahmen werden letztlich dazu führen, dass weniger Unternehmenskredite für staatsnahe Unternehmen verfügbar sind und teurer werden. Dies sollte wiederum die Finanzierungsmöglichkeiten für den Privatsektor verbessern, der sich ohnehin viel besser und gesünder entwickelt.
  6. ASPOMA hat einen besonderen Fokus auf führende, qualitativ hochwertige private Unternehmen, die sich mit Trends befassen, die die zukünftige Entwicklung der chinesischen Gesellschaft bestimmen und dominieren werden.
  7. Premierminister Li Keqiang verkündete einen Zielwert für das BIP-Wachstum in 2018 von „etwa 6,5%“. Der Zielwert ist unverändert gegenüber 2017. Gleichzeitig signalisierte er jedoch eine deutlich geringere Unterstützung der Politik – mit einem deutlich niedrigeren Ziel für das Haushaltsdefizit und einer anhaltend niedrigen Geldmengenausweitung. Da es schwierig sein wird, ein stabiles Wachstum bei reduziertem Stimulus zu erhalten, wird eine Abschwächung des BIP-Wachstums auf 6,3% im Jahr 2018 von 6,9% im Jahr 2017 erwartet.

Simon Staudinger ist Investmentexperte für die japanischen und chinesischen Kapitalmärkte und Mitglied des Investmentteams von  ASPOMA Asset Management, einer auf Asien spezialisierten Investmentgesellschaft.

Finanzmarktsituation

Umfeld und Ausblick

Von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung

 Schulden wachsen schneller als die Wirtschaft

Weltweit sind die Schulden von Staaten, Unternehmen und Verbrauchern stärker gestiegen als die Wirtschaftsleistung. Inzwischen sind die Verbindlichkeiten so enorm, dass sie niemals mehr beglichen werden können. Vor allem bei vielen Staaten sind die Schuldenberge zu groß, um sie noch auf dem klassischen Weg, etwa durch stärkeres Wirtschaftswachstum oder höhere Einsparungen, nachhaltig abzutragen.

Daher verwundert es nicht, dass die Notenbanken weltweit ihre bisherige Politik geändert haben und seit einiger Zeit ein neues übergeordnetes Ziel verfolgen: Sie wollen sicherstellen, dass ihre Heimatstaaten zahlungsfähig bleiben. Das führt zu Zinssätzen, die weit unterhalb der normalen Marktniveaus liegen, um so die Staatshaushalte finanzieren zu können. Dadurch werden die nominalen Renditen von Zinsanlagen guter Bonität in weiten Teilen der Welt unter die Inflationsraten gedrückt. Das Ergebnis sind negative Realzinsen. Im Klartext: Viele Zinsanleger büßen nach Abzug der Inflation an Kaufkraft ein.

Inflation, Schuldenschnitt oder beides?

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