Moderne Infrastruktur: Wann überrundet China den Westen?

Von Dr. Clemens Kustner, ASPOMA Asset Management

China hat allein in den vergangenen drei Jahren mehr Zement verbaut als die USA in den letzten 100 Jahren. Während der Westen dies als sicheres Zeichen für sinnlose Überinvestitionen wertet, übersehen die Kritiker: China pumpt den Zement vor allem in Straßen, (Flug-)Häfen und Eisenbahnen und investiert massiv in Energienetze und Telekommunikation. Setzt sich dieser Trend fort, wird das Land bald eine viel modernere und leistungsfähigere Infrastruktur haben als die meisten westlichen Länder – mit erheblichen Folgen für Firmen und Investoren.

Vielleicht sind wir im Westen zu sehr daran gewöhnt, als dass es uns auffallen würde: Eine nationale Ökonomie kann nur prosperieren, wenn das Land über ausreichende und intakte Verkehrswege verfügt und die Wasser- sowie Energieversorgung auf modernem Stand sind. Zudem braucht es ein umfassendes und leistungsfähiges Netz für die Telekommunikation, um in der digitalen Welt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Peking deklassiert Washington & Co

China gibt für all dies seit Jahren einen höheren Anteil aus als Nordamerika und Westeuropa zusammen, wie das McKinsey Global Institute (MGI) in einer kürzlich veröffentlichten Studie ermittelt hat. So flossen dort von 1992 bis 2013 im Jahr durchschnittlich 8,6 Prozent des Bruttosozialproduktes (BSP) in den Bau von Straßen, Eisenbahnen, Häfen, Flughäfen und anderen Infrastruktur-Projekten. Die Europäische Union wie auch die USA haben im selben Zeitraum gerade einmal je 2,5 Prozent ihres BSP in solche Maßnahmen investiert – insbesondere mit der Finanzkrise ist der Investitions-Elan im Westen erlahmt.

20 Prozent Rendite dank Infrastruktur

Nun sollte man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, denn die entwickelten Industrieländer des Westens verfügen über einen größeren Kapitalstock als das Noch-immer-Schwellenland China – die Ausgangslage bei der Infrastruktur in Europa und den USA ist somit eine andere als zwischen Himalaya und Ostchinesischem Meer, wo noch deutlich mehr investiert werden muss. Doch ebenso wahr ist: Jeder Euro, Dollar oder Yuan, der in Straßen, Eisenbahnen oder Häfen investiert wird, führt nicht nur unverzüglich zu Einkommen bei allen, die an diesen Projekten beteiligt sind. Experten schätzen auch, dass 5 Dollar, die in die Infrastruktur fließen, das Bruttosozialprodukt auf lange Sicht um 1 Dollar steigern. Zu dieser „20-Prozent-Rendite“ kommt es, weil die betreffende Region produktiver wird – etwa indem Verkehrs- und Transportzeiten sinken, sichere Elektrizität für mehr Produktion sorgt und sich die Menschen in die digitale Weltwirtschaft einklinken können.

Geraten Europa und USA ins Hintertreffen?

Schreibt man den aktuellen Trend in die kommenden Jahrzehnte fort, ist klar: Wenn die entwickelte Welt nicht mehr Geld in ihre zunehmend marode Infrastruktur pumpt und China seine hohe Quote beibehält, werden Europa und Nordamerika irgendwann ins Hintertreffen geraten – zum Schaden der dortigen Unternehmen, Arbeitnehmer und Bürger. Zudem wird das Wachstum dies- und jenseits des Atlantiks deutlich schwächer ausfallen als bisher. Die Lektion für den Westen lautet: Nur mit einer guten Infrastruktur können private Unternehmen effizient und günstig produzieren und Wohlstand schaffen.

China schafft Basis für Wachstum

China indes schafft mit seinen vielen Infrastruktur-Projekten bereits die Basis für ein langfristiges und nachhaltiges Wachstum seiner Wirtschaft, die mehr als 1,3 Milliarden Konsumenten umfasst. In 10 oder 20 Jahren wird es niemanden mehr interessieren, ob diese Autobahn oder jene Brücke nach soliden kaufmännischen Kriterien finanziert wurde. Entscheidend ist dann vielmehr, dass eine exzellente und moderne Infrastruktur existiert, mit der private Unternehmen den riesigen chinesischen Markt effizient und kostengünstig bedienen können.

Die hervorragenden Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, können Investoren mit aktiv gemanagten China-Fonds nutzen. Voraussetzung ist, dass die Fonds unabhängig von Benchmarks auf unterbewertete und aussichtsreiche Unternehmen setzen, die von einem Ausbau der Infrastruktur profitieren.

Von Dr. Clemens Kustner, ASPOMA Asset Management

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