Ein gutes Jahr an den Kapitalmärkten liegt hinter uns

Von Markus Steinbeis, Geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker Vermögensverwaltung gmbh

Politische Risiken und Veränderungen haben wieder einmal ein Jahr an den internationalen Kapitalmärkten geprägt. Zunächst sorgte im Frühjahr 2017 die Konstellation in Frankreich im Vorfeld der Wahl für große Verunsicherung bei den Investoren. Letztendlich entschieden sich die Wähler aber für einen jungen Präsidenten, der deutlich machte, dass man auch mit einem pro-europäischen Kurs Mehrheiten gewinnen kann. Im Herbst des Jahres taten es die Österreicher der Grand Nation gleich und wählten ebenso einen unverbrauchten Newcomer, der allerdings, außer des jungen Alters, wenig politische Schnittmengen mit Emmanuel Macron aufweist. Dazwischen lag allerlei Bemerkenswertes: Katalonien strebte vehement nach Unabhängigkeit, in China konzentriert sich die Macht nach dem Nationalen Volkskongress noch stärker um Staats- und Parteichef Xi Jinping und in den USA bewegt sich Präsident Trump auf dem politischen Parkett wie der berüchtigte Elefant im Porzellanladen. Immerhin konnte in Washington die lang erwartete Steuerreform im Dezember in letzter Minute noch durch Repräsentantenhaus und Senat geboxt werden.

Und dann waren da noch die Verhandlungen zum Brexit, die sich erwartungsgemäß als zäh und schwierig erwiesen. Theresa May erscheint zunehmend innenpolitisch geschwächt. Zudem kippt die Stimmung in der Bevölkerung im Vereinigten Königreich. Laut jüngsten Umfragen befürwortet inzwischen eine Mehrheit der Briten einen Verbleib in der Europäischen Union (EU). In unserer Kolumne „Exit vom Brexit“ haben wir schon im September 2017 frühzeitig die Möglichkeit eines Verbleibs Großbritanniens in der EU erörtert.

Auch auf der geopolitischen Seite gab es im Jahresverlauf ausreichend Belastungsfaktoren. Neben dem eingefrorenen Konflikt in der Ukraine und den latenten Spannungen im südchinesischen Meer ist die Nordkorea-Krise verbal eskaliert. Vor dem Hintergrund zahlreicher Raketentests auf der koreanischen Halbinsel beschimpften sich der nordkoreanische Führer und US-Präsident Trump mit üblen Sprüchen in aller Öffentlichkeit. Darüber hinaus verschärften sich die Auseinandersetzungen im nahen Osten zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, die seit vielen Monaten im Jemen bereits einen Stellvertreterkrieg führen.

Eine Zeit lang wurden die guten wirtschaftlichen Meldungen vom Lärm übertönt, den Trump und andere machten. Doch diese Entwicklungen haben die Kapitalmärkte allenfalls temporär belastet. Die anhaltend sehr expansive globale Geldpolitik, niedrige Inflationsraten und erfreuliche Wirtschaftsdaten trieben die Stimmung von Unternehmen und Konsumenten im Jahresverlauf auf Rekordhochs. Global gesehen hat sich die Wirtschaft im vergangenen Jahr so gut entwickelt wie seit 2011 nicht mehr. In einem weltweit synchron verlaufenden Aufschwung dürfte das globale

Bruttoinlandsprodukt um mehr als 3,5 Prozent gewachsen sein. 2016 betrug der Anstieg noch 3,1 Prozent. Es ist äußerst selten, dass alle G-20-Volkswirtschaften gleichzeitig zum Wachstum beitragen. Es ist daher leicht nachvollziehbar, dass in diesem Umfeld Investoren weltweit ihre Risikoaversion beiseitelegten. Dies war in weiten Teilen an den Aktienmärkten erkennbar, die in Lokalwährung weltweit deutlich zulegen konnten, während die Rentenmärkte überwiegend auf der Stelle traten. Der Euro wertete 2017 gegenüber nahezu allen wichtigen Währungen auf. In der Konsequenz verminderte das die Wertentwicklung der Anlage auf Eurobasis spürbar. Ein Wermutstropfen für Anleger hierzulande.

Wertentwicklung ausgewählter Anlageklassen 2017 in EUR

Aktien Welt (MSCI World Index) 5,50%
Aktien USA (S&P 500 Index) 4,77%
Aktien Europa (STOXX 600 Index) 7,68%
Staatsanleihen Deutschland (REXP) -0,95%
Staatsanleihen Euroland (JPM EMU 1-10 Index) 0,56%
EUR/USD 14,44%
Rohstoffe (Bloomberg Commodity Index) -11,61%
Gold -0,79%

Quelle: Bloomberg; eigene Berechnungen

 

Auch der Zeitpunkt der Investition war 2017 ausschlaggebend für den Erfolg. Ein Anleger, der beispielsweise erst im Februar in ein globales und diversifiziertes Aktienportfolio investiert hat, verpasste einen Großteil der Wertentwicklung im vergangenen Jahr.

In den beiden vergangenen Marktberichten haben wir über die Sorglosigkeit von Anlegern gesprochen. Wir stellen uns die Frage, ob wir uns partiell in spekulativen Übertreibungen an den Kapitalmärkten befinden. In der Tat beobachten wir einige Überhitzungen: Milliardenschwere Unternehmensübernahmen, überproportional hoch bewertete Technologieunternehmen und exorbitante Preise auf dem Kunstmarkt. Spekulative Exzesse ließen sich Ende 2017 aber nur im Bereich der Kryptowährungen feststellen.

Zunächst keine Anzeichen von Wachstumsschwäche in 2018

Auf die weitere konjunkturelle Entwicklung blicken wir mit Zuversicht. Die Weltwirtschaft geht mit Dynamik in das neue Jahr und dürfte 2018 ähnliche Wachstumsraten aufweisen wie im vergangenen Jahr. Dies impliziert aber auch, dass wir die Phase steigender Zuwachsraten hinter uns haben – die Frühindikatoren sollten dies in den kommenden Monaten andeuten.

Die durch massive Kreditausweitung gedopte US-Volkswirtschaft wird zusätzlichen Rückenwind durch die verabschiedete Steuerreform erhalten und damit ihren seit acht Jahren andauernden Aufschwung fortsetzen. Dadurch könnte das dortige Bruttoinlandsprodukt (BIP) um etwa 2,5 Prozent zulegen. Dagegen dürften die Wachstumsbeiträge aus China in 2018 etwas geringer ausfallen, obwohl sie absolut gesehen auf sehr hohem Niveau verharren. Die Absicht, Reformen und Wachstum in Einklang zu bringen, könnte sich temporär als etwas belastend erweisen und das BIP-Wachstum auf etwa 6,5 Prozent reduzieren. Dazu zählt, dass die bereits stark gestiegenen Immobilienpreise die zukünftigen Bauinvestitionen möglicherweise beeinträchtigen, hoch verschuldete Staatsunternehmen ihre Ausgaben reduzieren und viele Fabriken mit hoher Luftverschmutzung ganz oder temporär geschlossen werden. An den glänzenden langfristigen Aussichten der chinesischen Volkswirtschaft ändert das freilich nichts. Die Frage ist, ob Euroland das hohe Wachstumstempo der vergangenen Monate beibehalten kann. Wir gehen davon aus, dass sich die Dynamik in den kommenden Wochen moderat abschwächt. Um die sehr hohen Zuwachsraten fortzuschreiben, bedürfte es einer wachstumsfreundlichen Wirtschaftspolitik, die sowohl den demographischen Wandel berücksichtigt, als auch ein investitionsfreundliches Klima für Infrastruktur und Bildung fördert.

Gute Konjunktur = freundliche Kapitalmärkte in 2018?

Wie oben beschrieben, dürften die drei Rückenwinde für die Kapitalmärkte, bestehend aus synchronem Wirtschaftswachstum, expansiver Geldpolitik und niedriger Inflationsraten, zunächst weiter anhalten. Wird demnach das Jahr 2018 ein Spiegelbild des Vorjahres? Wir glauben das nicht. Denn leider sind viele positive Aspekte bereits in den Preisen von Anlagegütern berücksichtigt. An den Märkten werden Erwartungen gehandelt und die sind bei Investoren bereits sehr hoch. Daneben breitet sich Sorglosigkeit unter Investoren aus. Die Politik des billigen Geldes der Notenbank hat die Anleger eingelullt. Sie tun sich schwer Risiken zu erkennen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Wahrnehmung ist verzerrt. Kein Wunder, denn seit 2009 wird an den Börsen ausgiebig gefeiert und je länger der konjunkturelle Aufschwung andauert, desto sicherer fühlen sich Marktteilnehmer. Sieht man sich die Prognosen führender Institute und Organisationen an, wird klar, was Ökonomen für das wahrscheinlichste Szenario halten: ein Fortschreiben des Ist-Zustandes. Bemerkenswerterweise weichen die Prognosen kaum voneinander ab. Fast bekommt man den Eindruck, dass die Konjunktur unbegrenzt weiterlaufen wird. Zyklen gehören anscheinend der Vergangenheit an.

Wir möchten darauf hinweisen, dass wir an den Finanzmärkten noch zahlreiche Chancen sehen. Das geldpolitische Umfeld wird auch weiterhin Sachwerte gegenüber Geldwerten deutlich bevorzugen. Allerdings ist diese Entwicklung keine Einbahnstraße, es lauern Risiken in einer von Sorglosigkeit geprägten Investorenwelt. So sind Wirtschaftsforscher beispielsweise nicht besonders gut darin eine kommende Rezession vorherzusagen. Einen deutlichen Wirtschaftsabschwung erachten zwar auch wir als höchst unwahrscheinlich, dennoch gilt es andere Risikofaktoren zu beleuchten, die das positive Gesamtbild etwas eintrüben und zu Korrekturen an den Finanzmärkten führen könnten. Dazu zählt ein Anspringen der Inflation genauso wie die versuchte Normalisierung der Geldpolitik seitens der Notenbanken.

Die Straffung der Geldpolitik

Die Welt ist verschuldet wie noch nie in der Geschichte. Laut dem Weltverband der Banken schulden Staaten, Unternehmen und Privatleute den Gläubigern derzeit 217 Billionen US-Dollar. Nur zur Erinnerung: Eine Billion ist eine Zahl mit zwölf Nullen und setzt sich aus 1.000 Milliarden zusammen. Das Verschuldungsproblem ist das weiterhin alles überlagernde Thema in der Finanzwelt. Seit fast einem Jahrzehnt kaufen Notenbanken Anleihen, um die Zinsen künstlich zu drücken. Sie fluten die Märkte mit frisch gedrucktem Geld. Nur so bleiben viele hoffnungslos überschuldete Wirtschaftssubjekte (vor allem Staaten) solvent und damit am Leben. Da die Wirtschaft seit längerem prosperiert, glauben nun einige Zentralbanken, die Situation sei nun so stabil, dass sie die Stimulierung langsam zurückfahren können. Allen voran schreitet die US-Notenbank (FED). Sie hat 2017 nicht nur dreimal den Zins angehoben, sondern beginnt nun die in Ihrem Besitz befindlichen Anleihen langsam zu verringern. Sie reduziert damit die auf 5 Billionen US-Dollar aufgeblähte Bilanz um etwa 10 Prozent in 2018.

Soweit ist die Europäische Zentralbank (EZB) noch nicht, aber auch sie reagiert auf das sich verbessernde Umfeld. Präsident Mario Draghi hat angekündigt, beginnend im Januar, die monatlichen Anleihekäufe von EUR 60 Milliarden auf EUR 30 Milliarden zu reduzieren. Ein komplettes Auslaufen des Kaufprogramms Ende 2018 erscheint aus heutiger Sicht wahrscheinlich. Somit wird im Jahresverlauf daher die japanische Notenbank die einzige der großen Zentralbanken sein, die der globalen Konjunktur noch gelpolitische Impulse gibt. Es besteht kein Zweifel: Die Geldpolitik bleibt expansiv. Dennoch gehen die Impulse zurück. Erstmals dürften gegen Ende 2018 die Notenbanken eher Nettoanbieter als Nettokäufer von Anleihen sein. Wenn das mal gutgeht.

In einer Welt, in der Schuldner und Kapitalmärkte stark vom billigen Geld abhängen, gilt es dies genau zu beobachten. Die meisten Analysten bleiben optimistisch, dass die von den Zentralbanken zur Verfügung gestellte Liquidität, die über Jahre die Preise vieler Anlageklassen inflationierte, dank der japanischen Notenbank und der EZB zunächst weiter ausreicht. Das könnte sich als Fehleinschätzung erweisen. Aus unserer Sicht ist selbst der zaghafte Versuch zu einer normalen Geldpolitik zurückzukehren ein gefährlicher Prozess. Die Normalisierung der Notenbankbilanzen entzieht dem Markt Liquidität und dürfte die langfristigen Zinsen ansteigen lassen. Die Finanzmärkte könnten nach ihrem Drogenrausch von Entzugserscheinungen geschüttelt werden. Sollte es tatsächlich zu Verwerfungen kommen, werden die Währungshüter allerdings das Ruder schnell wieder herumreißen und die Druckerpresse erneut anwerfen. Denn eine Befreiung von der Sucht nach billigem Geld ist in einer überschuldeten Welt schlicht ausgeschlossen. Äußerste Vorsicht ist geboten, wenn 2018 die Geldhähne leicht zurückgedreht werden.

Wird die Inflationsentwicklung unterschätzt?

Das Ausbleiben der Inflation war 2017 das große Rätsel für die westlichen Zentralbanken. Trotz starker Konjunktur wollte kein Preisdruck entstehen. Schon wurden vertraute ökonomische Modelle wie die Philips-Kurve infrage gestellt, die den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation beschreibt. In den USA befindet sich die Arbeitslosenquote nahe an den Tiefständen der 1970er-Jahre. Laut den ökonomischen Modellen müsste die Inflationsrate wesentlich höher als derzeit liegen.

deflationären Sorgen für tot erklären. Kein Zweifel: Digitalisierung, Demographie und Globalisierung wirken in sich deflationär. Dennoch sollte man Inflation keinesfalls abschreiben, allein schon deswegen, weil dadurch Schulden entwertet werden können und Notenbanken genau dies anstreben. Es ist daher zu erwarten, dass die sogenannten Währungshüter zumindest auf einem „Inflationsauge“ erblinden und eine wesentlich höhere Toleranz bezüglich der Geldentwertung entwickeln. Da sie beim Anfachen der Inflation in der Vergangenheit an ihre Grenzen gestoßen sind, dürften sie die Zinsen im Zweifel eher niedrig halten. Die EZB liefert mit ihrer Verschleppung der Zinswende dafür das beste Beispiel. Diese Politik erhöht die Wahrscheinlichkeit eines zyklischen Anspringens der Geldentwertung.

Es stellt sich die Frage, ob wir vor einem unmittelbaren zyklischen Anstieg der Inflation stehen. Wir beobachten einige Anzeichen, die die Wahrscheinlichkeit dafür sukzessive steigen lassen. Dazu gehören neben den starken Wachstumsraten ein in vielen Regionen angespannter Arbeitsmarkt, der für Lohnauftrieb sorgen könnte. Zusätzlich dürften die jüngst wieder steigenden Rohstoffpreise diese Bewegung unterstützen. All das spricht aus unserer Sicht für etwas mehr Preisauftrieb in den kommenden Monaten. Einen plötzlichen Inflationsschock erwarten wir aber nicht. Grundsätzlich ist ein Anstieg der Inflation nichts Negatives. Geschieht dies allerdings für viele Marktteilnehmer unerwartet und wird befürchtet, dass die Notenbanken die Zinsen dadurch schneller anheben, könnte das für erheblich Verunsicherung und Marktturbulenzen sorgen.

Aktien weiterhin attraktiv, aber für Neuengagements auf Einstiegschancen warten

Das Umfeld für Aktien könnte nicht besser sein. Unsere im Vorfeld beschriebenen drei Rückenwinde (globales Wachstum, niedrige Inflation, expansive Geldpolitik) haben die Auftragsbücher der Unternehmen bis an den Rand gefüllt. In weiten Teilen der Welt dürften 2017 laut Schätzungen die Unternehmensgewinne zweistellig gewachsen sein. Das ist der stärkste Anstieg seit der Erholung nach der Finanzkrise. Nach Jahren stagnierender Unternehmensergebnisse wurden globale Aktienkurse jüngst von weltweit sprudelnden Gewinnen beflügelt. In 2018 benötigen Sie aber Unterstützung von nochmaligem Gewinnwachstum und genau damit scheinen die Marktteilnehmer momentan zu rechnen. Kein Wunder, dass Investoren sorglos geworden sind. Die niedrige Schwankungsbreite der Aktienmärkte deutet an, dass die Mehrheit der Anleger die Kursrisiken als gering einschätzt. Die Aktie als schwankungsarme, unverwundbare Anlageklasse? Hier werden wir hellhörig. Die Kombination aus kurzfristig angestiegener Bewertung und erhöhter Risikobereitschaft birgt die Gefahr von Korrekturen. Dabei ist es müßig über den Auslöser zu spekulieren. Negative Überraschungen oder Enttäuschungen jeglicher Art könnten, vor dem Hintergrund der niedrigen Risikoaversion der Anleger, zu einem schnellen Abbau von Risikopositionen führen. Implizit bedeutet dies, dass sich die schwankungsarme Zeit an den Aktienmärkten im Jahr 2018 nicht fortsetzen wird. Das sind gute Nachrichten für jene Anleger, die ihre Positionierung bei Dividendenpapieren verstärken wollen. Denn das vorherrschende Wirtschafts- und Gewinnumfeld begünstigt diese Anlageklasse weiter, auch wenn sich die höheren Bewertungen temporär als Bremse erweisen könnten. Strategisch lohnt aus unserer Sicht das Investment in Aktien immer noch. Wir sehen derzeit noch keine Anlage mit ähnlichen Renditechancen. Solange Anleihen mit ihren niedrigen Zinsen keine nennenswerte Alternative darstellen, dürfte der langfristig positive Trend bei Aktien anhalten. Allerdings sollte in Zukunft wieder mehr Augenmerk auf das Risikomanagement gelegt werden.

Große Bärenmärkte wurden in der Vergangenheit allerdings meist durch steigende Zinsen ausgelöst. Diese Gefahr besteht aufgrund der prekären Situation vieler Schuldner derzeit nicht. Somit sollte es nicht verwundern, dass die großen Notenbanken momentan erstmals seit Jahrzehnten auf die sich stark verbessernde Konjunktur nicht mit aggressiven Leitzinserhöhungen reagieren.

Wenig Chancen bei Anleihen

Die Rentenmärkte gilt es im Jahr 2018 genau zu beobachten. Was passiert, wenn wichtige Zentralbanken in ihrer Geldpolitik restriktiver werden? Wie entwickeln sich Konjunktur und Inflationszahlen? All diese Fragen müssen in den kommenden Monaten kontinuierlich beantwortet werden. Moderat steigende Inflationsraten und eine etwas restriktiver werdende Notenbankpolitik lassen uns in den kommenden Monaten leicht steigende Renditen in den längeren Laufzeiten erwarten. Bei 10-jährigen Bundesanleihen und US-Staatsanleihen gleicher Laufzeit würden uns temporäre Renditen von 0,8 Prozent bzw. 3,0 Prozent nicht überraschen.

Solange die Konjunktur gut läuft und das Zinsumfeld günstig bleibt, sollten Hochzinsanleihen weiterhin gesucht bleiben. Angesichts der hohen Bewertung dieses Segments erachten wir das Chance-Risiko-Verhältnis auf aktuellem Niveau aber als wenig attraktiv. Die Renditeaufschläge erscheinen uns als wesentlich zu niedrig, als dass sich das Eingehen höherer Risiken für den Anleger lohnt. Die weltweite Suche nach Rendite hat viele Anleiheinvestoren gezwungen, höhere Risiken als in der Vergangenheit einzugehen. Viele haben sich bonitätsschwachen Titeln zugewandt, getrieben von Negativzinsen und sehr niedrigen Renditen bei den guten Qualitäten. Es macht daher in der gegenwärtigen Situation durchaus Sinn, zugunsten der Sicherheit auf die letzten Basispunkte Zinsaufschlag zu verzichten und nicht jeder Rendite nachzujagen. Bonitätsschwache und illiquide Anleihen bewerten wir als gefährlich. Unser Schwerpunkt liegt weiterhin bei bonitätsstarken Emittenten, bieten sie doch einen Puffer bei Verwerfungen und Korrekturen an den Finanzmärkten. Der aktiven Titelauswahl kommt in diesem Umfeld eine hohe Bedeutung zu. Grundsätzlich präferieren wir Papiere mit kürzeren Laufzeiten. Ganz auf die länger laufenden Anleihen zu verzichten sollte man aber nicht, da sie bei unvorhergesehenen Zinsrückgängen einen guten Schutz bieten.

Rohstoffe vor einer Renaissance?

Die Rohstoffmärkte dürften 2018 grundsätzlich von der weltweiten konjunkturellen Dynamik unterstützt bleiben. Viele Segmente werden sich daher auf absehbare Zeit einer starken Nachfrage gegenübersehen. Die Tatsache, dass wir für die Rohstoffgruppen eine heterogene Entwicklung erwarten, hängt viel mit der Positionierung von spekulativen Anlegern, vor allem aber mit der jeweiligen Angebotssituation zusammen. Grundsätzlich haben sich Rohstoffe im Vergleich zu Aktien in den vergangenen Jahren extrem schlecht entwickelt. Zeit für eine Renaissance?

Sehr schwer einzuschätzen bleibt der Ölpreis. Den etwa 50-prozentigen Anstieg der Nordseesorte Brent seit Sommer 2017 haben wohl die wenigsten Beobachter erwartet. Dies hat im Wesentlichen zwei Gründe: Erstens steigt der weltweite Durst nach Öl. In 2017 dürfte die Nachfrage um 1,5 Millionen Fässer pro Tag gestiegen sein, deutlich mehr als allgemein erwartet. Zweitens bremsen die Organisation erdölfördernder Länder (OPEC), Russland und weitere Partner ihre Ölförderung seit Monaten mit Erfolg: In Konsequenz sinken die weltweiten Lagerbestände und die Preise steigen. Es ist zu erwarten, dass bei Preisen auf gegenwärtigem Niveau die US-Schieferölindustrie ihre Produktion ausweiten und damit den Markt ausreichend versorgen wird. Das Resultat wäre ein deutlicher Preisrückgang, der durch den Rückzug optimistischer spekulativer Finanzanleger noch verstärkt werden könnte. Weniger vorhersehbar sind die geopolitischen Risiken, die jegliche fundamentale Einschätzung konterkarieren können. Die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran verschärfen sich, der Konflikt könnte eskalieren und wieder Ölpreise jenseits der 100-Dollar-Marke Realität werden lassen. Zu guter Letzt ist ein geplanter Börsengang von hoher Bedeutung: Saudi-Arabien möchte etwa 5 Prozent des staatseigenen Ölkonzerns Saudi-Aramco an die Börse bringen und somit verkaufen. Gerechnet wird mit einem Erlös von etwa 100 Milliarden US-Dollar. Dieser Börsengang könnte somit der größte aller Zeiten werden. Es versteht sich von selbst, dass die Machthaber des Wüstenstaates im Vorfeld der Transaktion alle Hebel in Bewegung setzen, um den Ölpreis auf dem derzeitigen oder einem noch höheren Niveau zu stabilisieren.

Viele Industriemetalle haben sich aufgrund der konjunkturell bedingten hohen Nachfrage gut entwickelt. Preistreibend waren zusätzlich Streiks in Kupferminen oder die erhöhten Umweltauflagen bei Aluminium in China, die beide das Angebot einengten. Da Finanzinvestoren sich mittlerweile bereits stark engagiert haben, sehen wir derzeit keine Anhaltspunkte für ein weiteres Überschießen der Preise.

Gold nach Korrektur wieder aussichtsreich

Wir betrachten Gold als Währung und als ein weltweit anerkanntes Tauschmittel. Gold ist nicht, wie alle anderen Papierwährungen, beliebig vermehrbar. Insofern spielt es in der Vermögensallokation eine entscheidende Rolle. Das gelbe Metall ist damit in erster Linie eine Portfolioversicherung. Eine Versicherung gegen Risiken, von denen es in der hoffnungslos überschuldeten Welt ausreichend gibt: Inflation, Deflation, Zahlungsausfälle etc. Der jüngste Preisrückgang gibt Anlegern Gelegenheit, die Versicherungsposition zu verstärken. Das gelbe Metall ist aufgrund des hohen Risikoappetits an den Märkten in den vergangenen Monaten unter Druck geraten. Spekulative Positionen wurden zudem aus Angst vor steigenden Zinsen liquidiert. Wir erachten dies als guten Einstiegszeitpunkt, denn nicht die nominalen, sondern die realen Zinsen (Nominalzins minus Inflation) sind für die Preisentwicklung von hoher Bedeutung. Da wir fest davon ausgehen, dass die Realzinsen bei nahe null verharren und daher die Opportunitätskosten der Goldanlage niedrig bleiben, können wir uns für 2018 deutlich höhere Preise vorstellen. Die prekäre geopolitische Situation ist in diesen Überlegungen noch gar nicht berücksichtigt.

Auch 2018 bietet wieder Chancen

Wir gehen mit Zuversicht ins neue Jahr. Die konjunkturelle Dynamik ist weiterhin stark ausgeprägt, ein Abgleiten in die Rezession bleibt damit äußerst unwahrscheinlich. Dennoch wäre Euphorie nicht angebracht, denn kurzfristig sind einige Bereiche des Finanzmarktes etwas überhitzt. Die Sorglosigkeit ist groß. Aus unserer Sicht könnten unvorhergesehene Ereignisse für ausgeprägte Schwankungen sorgen. Insbesondere die Inflationsentwicklung und die Auswirkungen der modifizierten Geldpolitik der Notenbanken könnten negative Entwicklungen mit sich bringen. Das große Bild ändert sich dadurch freilich nicht. Auf lange Sicht werden Notenbanken weiterhin das System stützen und mit frisch gedrucktem Geld fluten. Langfristig gibt es zu Sachwerten von hoher Qualität in diesem Umfeld keine Alternativen.

Kurzfristig gewinnt das Management von Risiken allerdings wieder an Bedeutung. Dazu muss man die Risiken aber erstmal kennen. Der Identifikation von Gefahren werden wir uns daher in der nahen Zukunft noch mehr widmen. Reines Kaufen und liegenlassen dürfte nicht zum Ziel führen. Die beste Zeit für passive Anlagestrategien nähert sich damit dem Ende. Dagegen sollten robuste Portfolien, die auch Gegenwinden standhalten, sich in den kommenden Wochen und Monaten bewähren. Durch potentielle Schwankungen ergeben sich aber gleichzeitig exzellente Chancen. Kursrückgänge von qualitativ hochwertigen Anlagen sollten im Falle von Verwerfungen für Käufe genutzt werden. 2018 könnte, ähnlich wie 2017, ein erfolgreiches Jahr an den Finanzmärkten werden, falls man bereit ist risikobewusst und aktiv zu agieren.

Wir wünschen all unseren Lesern viel Gesundheit und Erfolg im neuen Jahr!

Ihre steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

 

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