China-Trends: Pharma & Co. vor großem Wachstumsschub

Von Dr. Clemens Kustner, ASPOMA Asset Management


Kluge Investoren setzen auf langfristige Trends. Der stark wachsende Gesundheitsmarkt in China ist so ein Trend: Nach Branchenschätzungen dürfte der Health-Care-Sektor bis 2020 um 10 % jährlich zulegen – auch wenn das Wirtschafts­wachstum schwächeln sollte. Umso schöner, dass aussichts­reiche Pharma-Titel aus dem Reich der Mitte billig zu haben sind.

Die Treiber hinter dem Wachstum des Health-Care-Markts in China sind zahlreich und robust: Das Land hat mit knapp 1,4 Milliarden Menschen den größten weltweit größten Patienten-Pool, und der Anteil älterer Personen steigt rasch. Hinzu kommen steigende Behandlungsquoten sowie verbesserte Leistungen der Krankenversicherer. Last but not least können sich auch immer mehr Chinesen eine private Krankenpolice leisten – das vergrößert die Nachfrage nach medizinischen Leistungen ebenfalls.

80 Prozent der Diabetiker in China noch unerkannt

Beispiel Diabetes: Schon jetzt lebt nach Schätzung der Internationalen Diabetes-Föderation jeder diagnostizierte vierte Zuckerkranke auf der Welt zwischen Kashgar und Shanghai. Doch auf deren Behandlung entfallen nur 7 % der globalen Kosten. Experten führen diese Diskrepanz darauf zurück, dass der größte Teil der Diabetes-Erkrankungen in China noch nicht erkannt wurde bzw. behandelt wird. Über 80 % der 96 Millionen erkrankten Chinesen – das sind fast 80 Millionen Personen – werden noch gar nicht behandelt – für Unternehmen bieten sich solche Gelegenheiten nur selten!

Viele Faktoren vereinen sich zur großen Kraft

Das könnte sich in den nächsten Jahren ändern. So decken die Versicherungen immer mehr Krankheitsfälle ab, weil die wachsende Mittelschicht derartige Angebote nachfragt. Auch ändern sich die Essgewohnheiten, sodass immer mehr Chinesen unter Fettleibigkeit leiden und ein erhöhtes Diabetes-Risiko haben. Zudem soll die Zahl der über 65-Jährigen, die vorrangig von Altersdiabetes betroffen sind, bis zum Jahr 2040 mit 3 % jährlich wachsen – auf gut 300 Millionen Menschen. Unterm Strich dürfte die Zahl der diagnostizierten und behandelten Diabetes-Erkrankungen stark steigen. Wichtig ist aber: Diabetes ist nur ein Beispiel für diesen säkularen Trend.

Wer profitiert vom säkularen Trend?

Aus Anlegersicht lautet die wichtigste Frage: Wer profitiert vom Trend hin zu einer besseren medizinischen Versorgung in China? Wer jetzt an multinationale Pharmariesen (MNC) wie Roche oder Bayer denkt, hat natürlich Recht – aber nicht das ganze Bild im Blick. Denn immer mehr chinesische Firmen gewinnen Markt-anteile hinzu, weil sie auf eine Phalanx von gut ausgebildeten und schlagkräftigen Fach- und Führungskräften zurückgreifen können. Die haben zuvor oft einige Jahre im Ausland Erfahrung im Management oder in der Forschung gesammelt und kehren nun ins Heimatland zurück. 

„Brain drain“ auf die chinesische Art

Im Gegensatz zu den übrigen Schwellenländern gibt es in China keinen „brain drain“ bei Medizinern und Pharmakologen. Anders herum wird ein Schuh daraus: Indem die Regierung ihnen eine gigantische Infrastruktur zur Verfügung stellt, von denen deutsche Forscher nur träumen können, kommt es zu einem enormen Transfer von Ressourcen und Know-how nach China. So zeigt ein Blick auf maßgebliche Pharmafirmen in China wie 3SBio, Sino Biopharm oder Luye, dass deren Vorstände einen Teil ihrer Karriere in Europa bzw. den USA absolviert haben. Jetzt kooperieren sie mit den MNC oder machen sich daran, ihnen weitere Marktanteile abzunehmen: So hat sich der Anteil der chinesischen Firmen an der Insulin-Produktion seit 2010 auf fast 20 % verdoppelt.

Der beste Weg zu Pharma-Aktien

Zu diesen guten strukturellen Aus-sichten kommen nach dem jüngsten Ausverkauf bei den in Hongkong gelisteten China-Aktien attraktive Bewertungen von Health Care-Titeln. Ausgewählte Aktien aus den Bereichen Pharma, Biotech, Medizintechnik und Versorgung stellen für langfristig orientierte Anleger somit ein Schnäppchen dar. Allerdings ergibt der Kauf eines China-Indexfonds wenig Sinn, da Pharma-Aktien im MSCI China-Index nur einen Anteil von rund 2 % haben. Stattdessen empfiehlt sich der Kauf eines aktiv gemanagten China-Fonds, der Chancen, wie sie sich im chinesischen Gesundheitsmarkt bieten, gezielt nutzen kann.

Weitere Analysen zu Anlagetrends in China und Japan sind auf der Website von ASPOMA abrufbar.

Dr. Clemens Kustner ist Investmentexperte für die japanischen und chinesischen Kapitalmärkte sowie Mitbegründer und Geschäftsführer von ASPOMA Asset Management, einer auf Asien spezialisierten Investmentgesellschaft.

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