Schweden – nicht nur landschaftlich reizvoll

Von Markus Merkel, Leiter Mandate und Kooperationspartner der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh in München

Mit dieser Kolumne schließen wir an die Mai-Ausgabe an, in der wir einen Blick auf Italien richteten und vor Investitionen in italienische Staatsschulden eindringlich warnten. Der Blick schweift nun gen Norden, wo kategorial andere Rahmenbedingungen vorzufinden sind. So bietet z.B. der schwedische Aktienmarkt ein dankbares Betätigungsfeld für einen aktiven Vermögensverwalter mit einem Faible für wertorientierte Einzeltitelauswahl. Dieser Tage trafen wir einige der für uns relevanten Unternehmen vor Ort in Stockholm und fassen anbei unsere Einschätzungen zusammen.

Der schwedische Aktienmarkt – „klein aber oho!“

Der schwedische Aktienmarkt zählt gemessen am Leitindex OMX Stockholm 30 zu den mittelgroßen in Kontinentaleuropa. Es dominieren die Sektoren Finanzen, Industrie und Dienstleistungen. Die Aktienkultur innerhalb der Bevölkerung ist, wie generell in Nordeuropa, weit fortgeschritten. Der OMX-Index beinhaltet eine Vielzahl an Werten, die erhebliche Umsatzanteile auch außerhalb des Heimat-marktes erzielen. Seit Jahresanfang bewegt sich die Wertentwicklung des breiten Gesamtmarktes im Wesentlichen in Einklang mit den Börsen der Eurozone.

Aktuelles politisches und wirtschaftliches Umfeld

Schweden finanziert vergleichsweise hohe Sozialleistungen, eine intensive Bildungspolitik und staatliche Forschungsförderung mittels einer ausgeprägten Fiskalpolitik. Daraus resultieren einerseits immense Staatsquoten (Staatsausgaben zu Bruttoinlandsprodukt), andererseits ein Sozialstaat mit einzigartigen Annehmlichkeiten für die Bürgerschaft. Insofern galt das schwedische Modell lange als Vorbild eines solidarisch geprägten, modernen Staatswesens in Europa. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Aktuell driftet die Vermögensverteilung massiv auseinander, populistische politische Kräfte zermürben die Mitte der Gesellschaft und die überaus liberale Einwanderungspolitik der Vergangenheit zeigt nun ihre Schattenseiten. Einzelne Bereiche der Wirtschaft, wie der Immobilienmarkt, zeigen zudem Anzeichen einer starken Anspannung. Genau deshalb ist es sinnvoll den schwedischen Markt nicht pauschal, sondern auf Ebene einzelner Geschäftsmodelle zu beurteilen.

Investmentperlen in einem vergleichsweise wenig analysierten Gesamtmarkt

In der Auswahl der Einzeltitel achten wir auf Qualitätswerte der Realwirtschaft, unabhängig von Investmentstilen wie „value“ oder „growth“. Auch die Zugehörigkeit zu einem Index oder die jeweilige Marktkapitalisierung sind unerheblich. Insofern bietet der schwedische Markt unseres Erachtens derzeit eine Reihe von attraktiven Unternehmen aus unterschiedlichsten Segmenten.

Aufgrund seiner geografischen Lage sind in Schweden erstklassige Unternehmen, etwa der Forst-wirtschaft, anzutreffen. Ein Paradebeispiel substanzorientierter und nachhaltiger Geldanlage. Ein stabiler Ankerinvestor, ein bewährtes Management, eine verlässliche Dividende und die Diversifikation, auch in dem Bereich Erneuerbare Energien untermauern unseren hervorragenden Gesamteindruck eines solchen Titels. Ebenso können Investitionen in Beteiligungsgesellschaften grundsätzlich einen smarten Zugang zu exzellent gemanagten Unternehmen offerieren, von denen einige im Zuge eines Börsengangs erhebliche Wertschöpfungspotenziale aufweisen. Hier haben wir die Analyse einer weiteren Holding, diesmal aus dem Medizintechnik-Bereich, aufgenommen. Des Weiteren finden wir im Small- und MidCap-Segment Weltmarktführer, so etwa einen Anbieter von computergestützten Kommunikations-Interfaces, wenn Kommunikationswege wie Sprache und Gesten krankheitsbedingt nicht zur Verfügung stehen. Derartige „Eye-tracking“ – Systeme finden auch im Zukunftsmarkt eSports oder in der Automobilindustrie zusätzliche Anwendungsformen. Wie aus früheren Publikationen hervorgeht, sehen wir die Tragfähigkeit und Bilanzqualität der europäischen Bankenindustrie ausgesprochen skeptisch. Vergleichsweise zukunftsfähige Marktteilnehmer finden sich dennoch in Nordeuropa und dort insbesondere in Schweden.

Unter den zukunftsorientierten Thementrends sticht ein schwedischer Medienkonzern hervor, der überwiegend in Skandinavien und dem Baltikum aktiv ist. Zur geringen Verschuldung und einer hohen Dividendenzahlung tritt Phantasie für den eSports-Bereich hinzu, wo jüngst vielversprechende Plattformen gekauft wurden. Des Weiteren wäre ein innovatives Technologie-Unternehmen zu nennen, das u.a. für den Bereich „Digital Gaming“ eine Software entwickelt, die erfasst wohin der Blick des Spielers gerade gerichtet ist. Derartige strukturelle Wachstumsmärkte nutzen wir zur Realisierung von Chancen im Rahmen unseres grundsätzlich vermögenserhaltenden Ansatzes.

In Zeiten des Umbruchs

Von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

Das politische Umfeld nimmt immer mehr Einfluss auf das globale wirtschaftliche Geschehen und damit auch auf die Kapitalmärkte. Grundsätzlich bevorzugen wir über ökonomische Sachverhalte zu schreiben und die Situation an den Finanzmärkten zu analysieren, aber in den vergangenen Jahren, insbesondere seit der Finanzkrise, stellen politische Entwicklungen eine wichtige Einflussgröße bei der Beurteilung von Chancen und Risiken einzelner Investitionen dar. Zur professionellen Einschätzung von Aktienmärkten, Zinsen, Währungen und anderen Anlageklassen ist eine „politische Positionierung“ mittlerweile von außerordentlicher Bedeutung.

Wer glaubt, der politische Einfluss auf die Kapitalmärkte sei begrenzt, der irrt sich. Das Gegenteil ist der Fall: wir befinden uns in einer Phase, in der politische Machtansprüche und handelsrechtliche Auseinandersetzungen offen zu Tage treten. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen stehen die USA. Eine überschuldete Weltmacht, die jeden Tag an ökonomischer Relevanz an die aufstrebenden Länder (vor allem in Asien) verliert, beginnt um sich zu schlagen. Ein Zeichen der Schwäche, aber ein gefährliches Zeichen. Handelsrechtliche Konflikte sowie eine aggressive Sanktionspolitik finden verstärkt Anwendungen in einem instabilen geopolitischen Umfeld. Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier gezielt ein Keil zwischen Asien und Europa aber auch zwischen die einzelnen Staaten Europas getrieben werden soll. Wir wissen nun, was der Slogan „America first“ konkret bedeutet: Es ist der sukzessive Ersatz von Multilateralismus durch Unilateralismus.

Weltweit, nicht nur in den USA, sind wir wieder Zeugen großer Veränderungen. Nach dem Kalten Krieg begann der Siegeszug des Kapitalismus über den Kommunismus. Nun hat offensichtlich der Kampf zwischen Globalisierung und Nationalismus begonnen. In immer mehr Ländern entstehen populistische Strömungen, die unverblümt oftmals der Flüchtlingsproblematik und dem unfairen Verhalten von Handelspartnern die Schuld für jegliche politische und ökonomische Malaise zuschreiben. Dieser neue „Politikstil“ findet immer mehr Zustimmung. Die Globalisierung und das exzessive Gelddrucken der Notenbanken hat eben nicht nur Gewinner hervorgebracht, sondern auch eine sehr große Anzahl an Verlierern. Breite Bevölkerungsschichten in der westlichen Welt, allen voran die sogenannte Mittelklasse, kämpft seit Jahren mit stagnierenden oder sinkenden Realeinkommen. Die Abwanderung von Jobs in Billiglohnländer in Kombination mit Digitalisierung und Automatisierung schürt Angst und bildet dadurch den Nährboden für Populismus und Protektionismus. Der große Umbruch hat begonnen.

Euroland: Wiedergeburt einer Krise, die nie tot war

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Chance auf eine frühsommerliche Erholung an den Aktienmärkten?

Von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

„Sell in May und go away“ ist wohl eine der bekanntesten Weiseiten an der Börse. Letztendlich beschreibt dieser Spruch eine Kapitalmarktanomalie, nach der die Renditen an den Aktienmärkten in den Monaten Mai bis September oft unterdurchschnittlich ausfallen. Könnte es dieses Jahr anders kommen? Aus unserer Sicht ja! War der Jahresbeginn an den Aktienmärkten noch von Euphorie vieler Anleger gekennzeichnet, ist nach den Kursrückschlägen im Frühjahr Ernüchterung eingekehrt. Als Konsequenz der dreimonatigen Korrekturphase besteht im Mai schlichtweg keine Möglichkeit für Investoren Gewinne mitzunehmen, denn die Volatilität ist 2018 nach langer Abstinenz wieder zurückgekehrt. Wir haben an dieser Stelle mehrmals erwähnt, dass wir eine größere Schwankungsbreite an den Aktienmärkten erwarten, spiegelt dies doch die Wiederaufnahme eines normalen Marktgeschehens wider. Letztlich darf eine höhere Volatilität nicht mit einer Veränderung der makroökonomischen Rahmenbedingungen oder der Fundamentaldaten von Unternehmen verwechselt werden. Unter Abwägung aller Chancen und Risiken können wir uns eine Erholungsbewegung an den Aktienmärkten in den kommenden Wochen und Monaten vorstellen. Dennoch haben wir die Risiken fest im Blick. Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen die für uns wichtigen Einflussfaktoren und Entwicklungen kurz vor.

Der Versuch der Notenbanken, dem Finanzsystem die „Droge“ Liquidität zu entziehen

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5.000 Euro zinsloser Kredit an Italien – von jedem Bundesbürger

Von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

Eine trügerische Ruhe machte sich in den vergangenen Monaten und Jahren im Euroraum breit. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit Hilfe niedriger Zinsen und indirekter Staatsfinanzierung die südeuropäischen Krisenländer am Leben gehalten. Im Rausch des jüngsten Konjunkturaufschwungs versuchen weite Teile der politischen Klasse den Eindruck zu erwecken, die Finanzprobleme des Euroraums seien im Griff und ohne größere Eingriffe dauerhaft lösbar. Dumm nur, dass es in einer Demokratie, wie jüngst in Italien, immer wieder zu Wahlen kommt, die nicht das vom politischen Establishment gewünschte Ergebnis bringen und damit die Konstruktionsfehler der europäischen Einheitswährung wieder in die öffentliche Diskussion geraten.

Italien – Europakritische Parteien auf dem Vormarsch

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