Zinsanstieg erhöht kurzfristig die Nervosität an den Finanzmärkten

Kolumne von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

Der jüngste weltweite Anstieg der Renditen erhöht derzeit die Nervosität vieler Investoren und führt zu intensiven Schwankungen an den internationalen Kapitalmärkten. Die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen nähert sich Schritt für Schritt der von uns erwarteten 3-Prozent-Marke, welche die Obergrenze des jahrzehntelangen Abwärtstrends der Renditen darstellt und deshalb von Anlegern mit Argusaugen verfolgt wird.

Entscheidend bleiben aus unserer Sicht aber weiterhin die realen Zinsen, d.h. die nominalen Zinsen abzüglich der Inflationsrate. Nur zur Erinnerung: Wir haben immer wieder betont, dass wir keinen dauerhaften und nachhaltigen Anstieg der realen Renditen weltweit erwarten, die in einer hoffnungslos überschuldeten Welt dramatische Verwerfungen zur Folge hätten. Auch derzeit werden die nominalen Zinsen von einem deutlichen Anstieg der Inflationserwartungen in USA begleitet. „Zinsanstieg erhöht kurzfristig die Nervosität an den Finanzmärkten“ weiterlesen

Weiterhin hohe konjunkturelle Dynamik zum Jahresende

Von Markus Steinbeis, Geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker Vermögensverwaltung gmbh

Die globale Konjunktur zeigt sich unverändert robust. Das globale Wirtschaftswachstum dürfte sich in diesem Jahr bei etwa 3,5 Prozent einpendeln – das wäre die stärkste Dynamik seit 2011. Da der Aufschwung, wie in unseren früheren Publikationen schon mehrmals angedeutet, sehr breit angelegt ist, können wir uns für die ersten Monate des kommenden Jahres eine ähnliche Dynamik vorstellen.

Die Situation in Euroland bleibt trotz zahlreichen politischen Risiken beeindruckend. Viele Frühindikatoren lassen für die kommenden Monate weiterhin eine erfreuliche Entwicklung erwarten, da sich die Euroländer wirtschaftlich überwiegend im Gleichschritt bewegen. Seit Beginn der Währungsunion lagen die Wachstumsraten der einzelnen Länder noch nie so nah beieinander. Viele, meist angelsächsische Experten, die den Währungsraum immer kritisch beurteilt hatten, werden zunehmend ruhiger. Der Einkaufsmanagerindex für das Dienstleistungsgewerbe, der historisch einen hohen Gleichlauf mit der Entwicklung des Wirtschaftswachstums aufwies, konnte die seit Mai vorherrschende Seitwärtsbewegung beenden und stieg im November wieder an. Auch das Pendant für die Industrie zeigt sich weiterhin in Hochstimmung. Dies lässt ein extrem starkes Wachstum im letzten Quartal dieses Jahres vermuten. Die EU-Kommission rechnet mit dem stärksten Wachstum seit 2011 im Währungsraum.

Neben der unverändert hohen Dynamik in Asien, trägt nun auch die USA wieder zum globalen Wachstum bei. Der Aufschwung präsentiert sich als moderat, aber stetig. Wir werden aber nicht müde zu erwähnen, dass es sich überwiegend um ein kreditfinanziertes Wachstum handelt – auf Kosten nachfolgender Generationen. Nachhaltigkeit sieht anders aus. Das jüngst gemeldete, annualisierte Wachstum im dritten Quartal von 3 Prozent sollte allerdings in dieser Stärke nicht wiederholbar sein, daher bleiben wir bei unserer Erwartung von 2,2 bis 2,4 Prozent für das Gesamtjahr 2017. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Repräsentantenhaus und der Senat noch bis Jahresende auf eine Steuerreform einigen werden, ist in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Sollten, wie geplant, Privatpersonen und Unternehmen über die nächsten zehn Jahre wirklich mit 1.500 Milliarden US-Dollar entlastet werden, erhält die US-Volkswirtschaft nochmals etwas Rückenwind.

Die US-Zinsstruktur verflacht sich

Aus unserer Sicht bewegen sich die Kapitalmärkte in der besten aller Welten. Der Mix aus guter Konjunktur, niedrigen Inflationsraten und ultralockerer Geldpolitik hat viele Anlageklassen in den vergangenen Jahren massiv Auftrieb gegeben. Es spricht einiges dafür, dass sich das auch nicht grundsätzlich auf absehbare Zeit ändern wird. In diesem Umfeld ergeben sich für Anleger immer wieder Chancen. Solange der inflationsbereinigte Ertrag von Liquidität und vielen Anleihen null oder negativ bleibt, werden Anlegeklassen wie Aktien strukturell unterstützt.

Dividendenpapiere haben daher langfristig weiter Potential. Dennoch müssen auf kurz- und mittelfristiger Sicht die Risiken an den Kapitalmärkten stets analysiert und diskutiert werden, um ein Vermögen temporär auch durch unruhigeres Fahrwasser zu leiten. Es ist unsere Pflicht, die ökonomischen, geldpolitischen und politischen Veränderungen stets im zu Blick haben. Wird ein ideales Umfeld gestört und sind viele Anleger sehr optimistisch, kann das zu starken Bewegungen in einzelnen Anlageklassen führe.

Unser Augenmerk richtet sich derzeit auf die Zinsentwicklung in den USA. Als sehr verlässlicher Frühindikator für zukünftige ökonomische Entwicklungen dient die Zinsstrukturkurve. Viele  Rezessionen der Vergangenheit hatten eine Gemeinsamkeit: eine Inversion der Zinsstrukturkurve, bei der 2-jährige Zinsen über den 10-jährigen Zinsen liegen. Oft dauerte es nur 12 Monate, dass auf eine Inversion der Zinsstruktur eine Rezession folgte. Daher beobachten wir mit hoher Aufmerksamkeit die Entwicklung der US-Zinsstrukturkurve, die sich seit 2016 sukzessive abflacht.

Rezessionen sind extrem schwer zu prognostizieren. In der Regel haben es die großen Organisationen wie der Internationale Währungsfonds und die OECD sowie die meisten Research-Abteilungen der Banken nicht geschafft, deutliche Wachstumsabschwächungen vorauszusagen. Umso wichtiger ist es Warnsignale, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, zur Kenntnis zu nehmen. Wir fragen uns lediglich, ob in einer Welt, in der Zentralbanken den Zins manipulieren, eine Zinsdifferenz noch die historisch belegbare Relevanz besitzt. Übrigens: die Euro-Zinskurve wurde jüngst ein bisschen steiler.

Mit wetterfesten Portfolios ins neue Jahr

Trotz der oben beschriebenen Verflachung der Zinsstruktur in den USA erachten wir die Rezessionsrisiken als derzeit gering. Dennoch überwiegt zum Jahresende der Sicherheitsgedanke in unserer Portfolioallokation. Die Risiken rücken stärker ins Blickfeld. So versuchen Zentralbanken weltweit, ihre ultralockere Geldpolitik in kleinen Dosierungen zurückzufahren. Daneben steigt die Unsicherheit über Chinas künftigen politischen und wirtschaftlichen Kurs nach dem Parteitag der Kommunistischen Partei. Die geopolitischen Brandherde Nordkorea und Saudi-Arabien (Iran) sowie die bevorstehenden Untersuchungen bezüglich der „Russland-Affäre“ von US-Präsident Trump möchten wir ebenso nicht unerwähnt lassen. Gleichzeitig haben sich viele Risikoanlagen in einem Umfeld von hoher Sorglosigkeit der Anleger (siehe Monatsbericht November 2017) sehr gut entwickelt. Wir haben dies zum Anlass genommen, das Risiko in den Portfolios Stück für Stück zu reduzieren. Der Bestand an hochwertigen Anlagen und Liquidität wurde deutlich erhöht. Wir sind so defensiver in einer möglichen Marktkorrektur aufgestellt. Gleichzeitig bleiben wir handlungsfähig und können die Chancen nutzen, die sich in den kommenden Wochen und Monaten ergeben.

Kurzfristig Risiken an den Aktienmärkten

Zu einer defensiveren Strategie gehört auch eine konservativer Ausrichtung unserer Aktienportfolios, denn der Bullenmarkt befindet sich mittlerweile in einer Spätphase. Die ihn antreibenden Faktoren könnten an Kraft verlieren. Dennoch zeigt die überwiegende Mehrzahl der Anleger eine bemerkenswerte Sorglosigkeit und sieht derzeit keine Anzeichen von Gefahren. Die gute Entwicklung der vergangenen Wochen und Monate wird in das Jahr 2018 extrapoliert. Diese Annahme halten wir für sehr aggressiv, ist doch die Marktkapitalisierung aller an den internationalen Börsen gehandelten Unternehmen sehr rasant auf knapp 100 Billionen US-Dollar gestiegen.

Der Aktienmarkt ist daher anfälliger für Korrekturen geworden. In Europa haben diese möglicherweise schon begonnen. So musste der Deutsche Aktienindex DAX von seinem Höchststand von über 13.500 Punkten temporär über 500 Punkte abgeben. Beeindruckend widerstandsfähig zeigt sich dagegen der US-Aktienmarkt. Die hochgewichteten Technologiewerte treiben die Indizes derzeit noch von einem Allzeithoch zum nächsten. Doch die vielerorts zu beobachtenden Überhitzungserscheinungen dürften dieser Bewegung in den kommenden Monaten auch ein Ende setzen.

Dieses Umfeld erfordert aus unserer Sicht ein defensives Vorgehen. Das Ziel des Kapitalerhalts rückt wieder in den Vordergrund. Mit einer hohen Diversifikation, mehr liquiden Mitteln und einer absoluten Fokussierung auf qualitativ hochwertige Unternehmen versuchen wir zukünftig größere Schwankungen der Portfolios in Grenzen zu halten. Da wir aufgrund der hervorragenden fundamentalen Rahmenbedingen nicht von einer Trendwende, sondern lediglich von einer temporären Korrektur ausgehen, sollten sich an den Aktienmärkten auf absehbare Zeit auch wieder exzellente Chancen bieten.

Qualitativ hochwertige Anleihen und Gold bevorzugt

Anleihen qualitativ hochwertiger Emittenten und Gold sollten in den kommenden Wochen in der Lage sein, ein Portfolio zu stabilisieren. Insbesondere Gold dürfte seinen moderaten Aufwärtstrend beibehalten können. Da die Kombination aus teils hoher Bewertung und erhöhter Risikofreude erhebliche Rückschlaggefahren bei anderen Vermögenstiteln birgt, könnte das Edelmetall wieder mehr in das Blickfeld internationaler Investoren rücken.

 

 

Die Luft wird dünner an den Aktienmärkten

Beitrag von Markus Steinbeis, Geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung

Bitte beachten Sie den Disclaimer!

Der von uns im letzten Marktbericht erwartete „Goldene Herbst für Risikoanlagen“ entfaltet seine Wirkung. Weltweit stehen die Börsenampeln auf Grün. Starkes globales Wirtschaftswachstum, deutlich steigende Unternehmensgewinne und das vorherrschende Niedrigzinsumfeld treiben die Kurse auf luftige Höhen. Die Zentralbanken führen ihre ultra-expansive Geldpolitik nur äußerst langsam und behutsam zurück. Sie sind derzeit noch nicht bereit, den weltweiten Anlagenotstand zu beenden. Es verwundert daher kaum, dass viele Aktienindizes weltweit auf Rekordniveaus notieren. So handelt der deutsche Aktienindex DAX erstmals in seiner Geschichte jenseits der 13.000-Punkte-Marke und in den USA eilen der Dow Jones- und der Standard & Poor`s 500-Index (S&P 500-Index) von einem Rekord zum nächsten. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Asien: Der japanische Nikkei-Index befindet sich auf einem 20-Jahres-Hoch.

Für uns stellt sich die Frage, wie lange das in dieser Form noch weitergehen kann. Zwar sind die Bewertungen in einigen Segmenten ambitioniert, von einer generellen Überbewertung der Aktien im Vergleich zu anderen Anlageklassen kann aber definitiv keine Rede sein. Das fundamentale Umfeld bleibt mit robustem Wirtschaftswachstum und niedriger Inflation nahezu ideal. Der zweitlängste Aktienmarktaufschwung der Geschichte wird dadurch gut unterstützt. Doch dieser Bullenmarkt könnte in den kommenden Monaten an Kraft verlieren und Raum für Korrekturen bieten. Dafür gibt es insbesondere in den USA erste Hinweise. Bei den Bewertungen und jüngsten Kursbewegungen im US-Technologiebereich könnte bereits Euphorie im Spiel sein. Die starke Fokussierung der Investoren auf den Technologiesektor hat dazu geführt, dass ein Großteil des diesjährigen Anstiegs der US-Aktienindizes auf eine Handvoll großer Einzelwerte zurückzuführen ist, die sich mittlerweile auf abenteuerlichen Bewertungsniveaus befinden. Börsianer sprechen von der sogenannten FANG-Gruppe. Dabei steht FANG für die Aktien von Facebook, Amazon, Netflix und Google (bzw. deren Muttergesellschaft Alphabet). Angetrieben von hohen Erwartungen und Phantasie bezüglich zukünftiger Geschäftsaussichten sind die Bewertungen dieser Unternehmen der aktuellen Gewinnentwicklung enteilt. Nur kleine Enttäuschungen in der Geschäftsentwicklung könnten künftig zu massiven Kursverlusten führen.

Aktien bleiben attraktiv, aber Abwärtsrisiken einkalkulieren! „Die Luft wird dünner an den Aktienmärkten“ weiterlesen

Goldener Herbst für Risikoanlagen

Von Markus Steinbeis, Geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker Vermögensverwaltung gmbh

„Der Kursanstieg bei Aktien könnte sich im Herbst fortsetzen“ war eine unserer Überschriften im vergangenen Marktbericht. Nach den Wochen und Monaten der Konsolidierung haben viele Aktienindizes seit Mitte September nun ihren Aufwärtstrend wiederaufgenommen. Diese Konsolidierung ist sowohl im historischen Vergleich als auch vor dem Hintergrund der geopolitischen Risiken äußerst gering ausgefallen. Die Aktienmärkte bewegen sich weiterhin in einem ausgesprochen freundlichen Umfeld. Das Wirtschaftswachstum verläuft weltweit synchron, aber überwiegend mit einer gemäßigten Dynamik. Das Risiko einer konjunkturellen Überhitzung mit massiv steigenden Inflationsraten bleibt vorerst schwach ausgeprägt. Die aktuelle Preissteigerung erscheint uns als optimal. Zum einen ist sie so hoch, dass eine Deflation oder Rezession nicht zu erwarten ist. Zum anderen ist sie aber nicht groß genug, dass man vor nachhaltig steigenden Zinsen Angst haben müsste. Die Geldpolitik der führenden Notenbanken sollte daher weitgehend expansiv bleiben, auch wenn sich erste Maßnahmen ankündigen, welche die Geldschwemme etwas reduzieren werden. Die Rückführung der Liquiditätsversorgung wird aber in kleinen Minischritten und sehr vorsichtig erfolgen. Damit bleibt die wichtigste Unterstützung für die globalen Aktienmärkte zunächst erhalten: niedrige Zinsen. Zinsanlagen bieten bis auf weiteres keine Alternative zur Sachwertanlage. Der Markt für festverzinsliche Anlagen ist unserer Meinung nach weiterhin dramatisch überbewertet und vergütet dem Anleger in keiner Weise das mit der Investition verbundene Risiko. „Goldener Herbst für Risikoanlagen“ weiterlesen