Divergenz zwischen USA und dem Rest der Welt

Von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

Das makroökonomische Umfeld und die Entwicklung an den Kapitalmärkten in 2018 unterscheidet sich weiterhin grundlegend vom Vorjahr. Zwar wird die Weltwirtschaft mit über 3,5 Prozent ähnlich stark wachsen wie 2017, die Bewegung erfolgt aber nicht mehr weltweit synchron. Auch an den Aktienmärkten könnten die Kursverläufe kaum unterschiedlicher sein. Während die amerikanischen Indizes in der Nähe ihrer historischen Höchststände notieren, weisen nahezu alle anderen Aktienmärkte seit Jahresanfang teils deutliche Verluste auf. Besonders prekär stellt sich die Situation in den Schwellenländern dar. War die Frage noch am Jahresanfang, ob die Kapitalmärkte dieser Region von einer Korrektur der US-Aktien betroffen wären, sehen sich die Anleger heute einer Situation gegenüber, in der die Kurse an den dortigen Kapitalmärkten deutlich einbrechen, obwohl der Börsenboom in den USA ungebrochen anhält. Letzteres ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass der Aufschwung trotz einer restriktiver werdenden Notenbank mit bisher zwei Zinserhöhungen in 2018 und potentiell zwei weiteren Schritten im restlichen Jahresverlauf voranschreitet.

Die US-Konjunktur zeigt sich weiterhin stark – zumindest quantitativ

Wie lässt sich eine derart gegensätzliche Entwicklung an den Aktienmärkten erklären? Neben einer Vielzahl von Gründen stechen unseres Erachtens drei Faktoren heraus. Der erste ist die unglaubliche Kursentwicklung der US-Hightech-Aktien. Außer vielleicht in China gibt es weltweit keine vergleichbaren Unternehmen. Nahezu der komplette Anstieg des breiten S&P 500 Index in 2018 lässt sich auf den Technologiebereich zurückführen, der in diesem Index bereits mit über 25 Prozent gewichtet ist. Microsoft alleine ist weit mehr wert als der gesamte indische Aktienmarkt, Facebook wird höher bewertet als alle russischen Aktien zusammen. Vor kurzem haben mit Apple und Amazon erstmals zwei Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von jeweils über eine Billion USD eine Schallmauer durchbrochen. Trotz aller positiven Aussichten der Unternehmen, stellt sich für uns die Frage, ob diese Bewertungen mittlerweile nicht blasenartige Züge annehmen. Dass es in der Euphorie keinen Platz für Enttäuschungen gibt, zeigte die Reaktion der Anleger auf die jüngsten Quartalsergebnisse von Facebook. Trotz eines Umsatzanstiegs von 40 Prozent fiel der Kurs innerhalb kurzer Zeit um 20 Prozent – Investoren hatten mehr erwartet. Zwar dauern Übertreibungen an der Börse oft länger als vermutet, aber nach den unglaublichen Aufwärtsbewegungen steigt die Anfälligkeit für Gewinn- und Umsatzenttäuschungen. In den zukünftigen Kurseinbrüchen werden sich viele Chancen ergeben, um in diese attraktiven Geschäftsmodelle zu investieren.

Der zweite Faktor liegt in der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung zwischen den USA und dem Rest der Welt. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres konnte das europäische Wachstum die Erwartungen noch übertreffen, auch China befand sich in einem robusten Aufwärtstrend. Beide Wirtschaftsregionen haben den Wachstumspfad zwar noch nicht verlassen, senden aber erste Schwächesignale. Darüber hinaus geht wieder die Angst der Anleger in einigen Schwellenländern um. Die bevorstehende Wahl in Brasilien, die Turbulenzen in Argentinien und Venezuela sowie die sich verstärkende Krise in der Türkei schüren die Sorge vor einer weltweiten Ansteckung. Wir werden aber nicht müde zu betonen, dass das zweifellos quantitativ hohe Wachstum der USA von äußerst schlechter Qualität und somit nicht nachhaltig ist. Kurzum, es basiert auf einem hohen Budgetdefizit. Ein Aufschwung auf Pump also. So stieg die US-Neuverschuldung im laufenden Jahr bis Mitte August von 20.492 Mrd. USD auf über 21.400 Mrd. USD. Ein Anstieg von knapp einer Billion USD in kurzer Zeit. Was ist also ein mögliches US-Wachstum von 3 Prozent bei einem Budgetdefizit von 5 bis 6 Prozent wert? Leider wird diese Frage in den Medien kaum gestellt. Nebenbei sei die Bemerkung erlaubt, dass die Wachstumsrate des zweiten Quartals von 4,2 Prozent ein Ausreißer nach oben bleiben sollte. In Antizipation der von der US-Regierung verhängten Importzölle haben viele US-Unternehmen ihre Läger im Vorfeld noch einmal kräftig aufgefüllt.

In der Entwicklung des US-Dollars sehen wir den dritten wichtigen Faktor. Die jüngste Aufwertung des Greenbacks, unterstützt von der (quantitativen) Stärke der US-Konjunktur und den damit verbundenen Aussichten für Zinsanhebungen führten zu einem fast 10 prozentigen Anstieg des Dollar Index (= Index, der die Wertentwicklung des US-Dollars gegen einen breiten Währungskorb misst) seit Februar 2018. Das ist vordergründig für die meisten entwickelten Volkswirtschaften ein Vorteil, da diese über ausreichende inländische Ersparnisse verfügen und eine schwache Währung die Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie verbessert. Für viele Volkswirtschaften der Schwellenländer, die auf den Zufluss ausländischen Kapitals angewiesen sind, bereitet eine schwache heimische Währung oft aber große Schwierigkeiten bei der Rückzahlung von Fremdwährungskrediten (meist USD-denominiert). Davon sind Regierungen genauso betroffen wie Unternehmen.

Die Krise in den Schwellenländern weitet sich aus

Die Verwerfungen in einigen Schwellenländern wie Argentinien und Türkei werden zusehends dramatischer. Eine hohe Verschuldung (meist in Fremdwährung) in Kombination mit einem Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit bilden derzeit einen giftigen Cocktail. Kommen dann noch politische Unzulänglichkeiten dazu und wird die Unabhängigkeit der Zentralbank öffentlich in Frage gestellt, ist das Chaos perfekt. In vielen Regionen sind in den letzten Jahren die Schulden kräftig gestiegen. Von 2007 bis 2017 wuchsen die Kredite der Schwellenländer von 145 Prozent auf 210 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Problematisch wird es dann, wenn ein hoher Anteil dieser Schulden in Fremdwährung denominiert ist und die eigene Währung gegenüber der Verschuldungswährung unter Druck gerät sowie die (US-)Zinsen steigen. Genau das passiert gerade. Da viele Länder Fremdwährungsschulden zwischen 20 und 50 Prozent des BIP aufweisen, eskaliert die Situation im Augenblick. Während beispielsweise die Verschuldung in Ländern wie Südafrika, Russland und Mexiko beherrschbar erscheint, befinden sich Argentinien und die Türkei wohl schon inmitten einer Bilanzkrise. Allerdings werden diese beiden Länder die Weltwirtschaft nicht nachhaltig beeinflussen, dafür ist ihr Anteil zu klein. Es besteht aber die berechtigte Sorge vor Ansteckungsgefahren. Sollten die Refinanzierungskosten aufgrund von Vertrauensverlusten für weitere Länder dauerhaft ansteigen und sich gleichzeitig der Währungsverfall fortsetzen, wird die Entwicklung gefährlich. Dann sind eben Argentinien und die Türkei keine Sonderfälle mehr und andere Länder kommen ebenfalls unter Druck. Wer genau hinsieht, kann dafür erste Anzeichen erkennen.

Weiterhin defensive Strategie

Was bedeutet das alles für unsere Strategie in den kommenden Wochen? Trotz der Höchststände bei US-Aktien fühlen wir uns etwas unwohl. Vieles passt nicht zusammen. Die schwache Verfassung einiger Anleihemärkte und die Turbulenzen bei Schwellenländer-Währungen mahnen uns weiter zur Vorsicht. Wenn die Währungsmärkte wie so oft die Funktion von Frühindikatoren einnehmen, dann stehen uns eventuell in den nächsten Wochen noch größere Schwankungen bevor. Einige Aktienmärkte befinden sich bereits in einem deutlichen Abwärtstrend, allen voran China. Anscheinend werden kurzfristig einige Gegenwinde (siehe Marktkommentar August) zu stark. Allen voran die restriktivere Haltung der US-Notenbank und eine Anzahl von politischen Spannungen, wie der Handelskonflikt zwischen der USA und dem Rest der Welt, bilden zunehmend ein herausforderndes Umfeld für Investoren. Insbesondere die Handelsstreitigkeiten könnten sich noch einmal zuspitzen, bevor sich die Lage entspannt. Sollte der bislang starke US-Aktienmarkt in eine, wenn auch nur temporäre Korrekturphase übergehen, wird das nicht folgenlos für die vielerorts eh schon angeschlagenen weltweiten Märkte bleiben. Diese Schwankungen würden wir als Chance sehen, um in attraktive Unternehmen, insbesondere in Europa, zu investieren. Hier hat sich die Erwartungshaltung der Anleger in der jüngsten Vergangenheit deutlich abgekühlt. Die Wahrscheinlichkeit für negative Überraschungen ist damit deutlich gesunken. Die meisten europäischen Volkswirtschaften liefern immer noch moderates, aber stabiles Wachstum. Viele erstklassige Unternehmen bieten nach den schwierigen ersten acht Monaten dieses Jahres wieder attraktive Bewertungen und stabile Dividendenerträge. Eine Diskontierung der weltweiten Risiken und Gefahren ist derzeit ausschließlich an den Kapitalmärkten außerhalb der USA zu beobachten. Wir haben dies in unserer jahrzehntelangen beruflichen Laufbahn in dieser Form noch nicht erlebt. Das immer noch starke Weltwirtschaftswachstum wird sich in den kommenden Monaten positiv in den Umsätzen und Gewinnen niederschlagen. Dies hat der amerikanische Aktienmarkt eingepreist, nicht aber die Märkte in Europa und Asien. Aus strategischer Sicht werden wir im Aktienmarkt investiert bleiben und unsere Positionen bei Kursrückgängen wieder ausbauen. Es wird in den kommenden Wochen aus unserer Sicht darauf ankommen, geduldig auf die Chancen zu warten.

Von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

 

 

Der verzweifelte Versuch einer Kehrtwende

Von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

Widersprüchliche Signale im Hochsommer

Es fällt nicht leicht, bei hochsommerlichen Temperaturen sowie all den widersprüchlichen Meldungen aus Wirtschaft und Politik einen kühlen Kopf zu bewahren. Um vernünftige Entscheidungen an den Kapitalmärkten treffen zu können, bedarf es besonders in einer unübersichtlichen Gemengelage immer wieder einer rationalen Bestandsaufname der Situation. Starten wir einen Versuch.

Nüchtern betrachtet stehen bezüglich der weiteren konjunkturellen Entwicklung die Ampeln derzeit unverändert auf grün. Weltweit zeigen die wichtigen Wirtschaftsräume immer noch solide Wachstumsraten. Auch wenn beispielsweise Europa, Japan, China und einige Emerging Markets Zeichen einer Verlangsamung senden, bleibt die Weltwirtschaft auch 2018 aller Voraussicht nach auf einem soliden Wachstumspfad. Unterstützt wird diese erfreuliche Entwicklung von einer positiven Konsumenten- und Produzentenstimmung, der weltweiten expansiven Notenbankpolitik sowie der in den USA betriebenen aggressiven Fiskalpolitik (Steuerreform). In diesem Umfeld erwartet der Internationale Währungsfonds ein Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts von 3,9 Prozent in diesem Jahr – immerhin die höchste Wachstumsrate seit 2011.

Wie Sie wissen, wird an den Kapitalmärkten aber nicht die Gegenwart, sondern vielmehr die Zukunft gehandelt. So gilt es zu analysieren, ob die wichtigen Wirtschaftsregionen weiter an Dynamik verlieren, oder ob der globale Konjunkturzyklus sein Niveau in das kommende Jahr hinein stabilisieren kann. Es sind leider einige Gegenwinde in den vergangenen Monaten aufgezogen, die wir auch schon in früheren Markberichten kommentiert haben: der starke Anstieg der Ölpreise, der sich verstärkende Handelskonflikt zwischen USA und China, die weniger expansive globale Notenbankpolitik sowie die Rückkehr des politischen Risikos in Italien sind hier zu nennen. Jeder dieser Gegenwinde ist in der Lage den globalen Aufschwung signifikant zu verlangsamen. Grund genug, die einzelnen Themen nochmal kurz näher zu beleuchten.

Notenbanken: der verzweifelte Versuch einer Kehrtwende

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Schweden – nicht nur landschaftlich reizvoll

Von Markus Merkel, Leiter Mandate und Kooperationspartner der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh in München

Mit dieser Kolumne schließen wir an die Mai-Ausgabe an, in der wir einen Blick auf Italien richteten und vor Investitionen in italienische Staatsschulden eindringlich warnten. Der Blick schweift nun gen Norden, wo kategorial andere Rahmenbedingungen vorzufinden sind. So bietet z.B. der schwedische Aktienmarkt ein dankbares Betätigungsfeld für einen aktiven Vermögensverwalter mit einem Faible für wertorientierte Einzeltitelauswahl. Dieser Tage trafen wir einige der für uns relevanten Unternehmen vor Ort in Stockholm und fassen anbei unsere Einschätzungen zusammen.

Der schwedische Aktienmarkt – „klein aber oho!“

Der schwedische Aktienmarkt zählt gemessen am Leitindex OMX Stockholm 30 zu den mittelgroßen in Kontinentaleuropa. Es dominieren die Sektoren Finanzen, Industrie und Dienstleistungen. Die Aktienkultur innerhalb der Bevölkerung ist, wie generell in Nordeuropa, weit fortgeschritten. Der OMX-Index beinhaltet eine Vielzahl an Werten, die erhebliche Umsatzanteile auch außerhalb des Heimat-marktes erzielen. Seit Jahresanfang bewegt sich die Wertentwicklung des breiten Gesamtmarktes im Wesentlichen in Einklang mit den Börsen der Eurozone.

Aktuelles politisches und wirtschaftliches Umfeld

Schweden finanziert vergleichsweise hohe Sozialleistungen, eine intensive Bildungspolitik und staatliche Forschungsförderung mittels einer ausgeprägten Fiskalpolitik. Daraus resultieren einerseits immense Staatsquoten (Staatsausgaben zu Bruttoinlandsprodukt), andererseits ein Sozialstaat mit einzigartigen Annehmlichkeiten für die Bürgerschaft. Insofern galt das schwedische Modell lange als Vorbild eines solidarisch geprägten, modernen Staatswesens in Europa. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Aktuell driftet die Vermögensverteilung massiv auseinander, populistische politische Kräfte zermürben die Mitte der Gesellschaft und die überaus liberale Einwanderungspolitik der Vergangenheit zeigt nun ihre Schattenseiten. Einzelne Bereiche der Wirtschaft, wie der Immobilienmarkt, zeigen zudem Anzeichen einer starken Anspannung. Genau deshalb ist es sinnvoll den schwedischen Markt nicht pauschal, sondern auf Ebene einzelner Geschäftsmodelle zu beurteilen.

Investmentperlen in einem vergleichsweise wenig analysierten Gesamtmarkt

In der Auswahl der Einzeltitel achten wir auf Qualitätswerte der Realwirtschaft, unabhängig von Investmentstilen wie „value“ oder „growth“. Auch die Zugehörigkeit zu einem Index oder die jeweilige Marktkapitalisierung sind unerheblich. Insofern bietet der schwedische Markt unseres Erachtens derzeit eine Reihe von attraktiven Unternehmen aus unterschiedlichsten Segmenten.

Aufgrund seiner geografischen Lage sind in Schweden erstklassige Unternehmen, etwa der Forst-wirtschaft, anzutreffen. Ein Paradebeispiel substanzorientierter und nachhaltiger Geldanlage. Ein stabiler Ankerinvestor, ein bewährtes Management, eine verlässliche Dividende und die Diversifikation, auch in dem Bereich Erneuerbare Energien untermauern unseren hervorragenden Gesamteindruck eines solchen Titels. Ebenso können Investitionen in Beteiligungsgesellschaften grundsätzlich einen smarten Zugang zu exzellent gemanagten Unternehmen offerieren, von denen einige im Zuge eines Börsengangs erhebliche Wertschöpfungspotenziale aufweisen. Hier haben wir die Analyse einer weiteren Holding, diesmal aus dem Medizintechnik-Bereich, aufgenommen. Des Weiteren finden wir im Small- und MidCap-Segment Weltmarktführer, so etwa einen Anbieter von computergestützten Kommunikations-Interfaces, wenn Kommunikationswege wie Sprache und Gesten krankheitsbedingt nicht zur Verfügung stehen. Derartige „Eye-tracking“ – Systeme finden auch im Zukunftsmarkt eSports oder in der Automobilindustrie zusätzliche Anwendungsformen. Wie aus früheren Publikationen hervorgeht, sehen wir die Tragfähigkeit und Bilanzqualität der europäischen Bankenindustrie ausgesprochen skeptisch. Vergleichsweise zukunftsfähige Marktteilnehmer finden sich dennoch in Nordeuropa und dort insbesondere in Schweden.

Unter den zukunftsorientierten Thementrends sticht ein schwedischer Medienkonzern hervor, der überwiegend in Skandinavien und dem Baltikum aktiv ist. Zur geringen Verschuldung und einer hohen Dividendenzahlung tritt Phantasie für den eSports-Bereich hinzu, wo jüngst vielversprechende Plattformen gekauft wurden. Des Weiteren wäre ein innovatives Technologie-Unternehmen zu nennen, das u.a. für den Bereich „Digital Gaming“ eine Software entwickelt, die erfasst wohin der Blick des Spielers gerade gerichtet ist. Derartige strukturelle Wachstumsmärkte nutzen wir zur Realisierung von Chancen im Rahmen unseres grundsätzlich vermögenserhaltenden Ansatzes.

In Zeiten des Umbruchs

Von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbh

Das politische Umfeld nimmt immer mehr Einfluss auf das globale wirtschaftliche Geschehen und damit auch auf die Kapitalmärkte. Grundsätzlich bevorzugen wir über ökonomische Sachverhalte zu schreiben und die Situation an den Finanzmärkten zu analysieren, aber in den vergangenen Jahren, insbesondere seit der Finanzkrise, stellen politische Entwicklungen eine wichtige Einflussgröße bei der Beurteilung von Chancen und Risiken einzelner Investitionen dar. Zur professionellen Einschätzung von Aktienmärkten, Zinsen, Währungen und anderen Anlageklassen ist eine „politische Positionierung“ mittlerweile von außerordentlicher Bedeutung.

Wer glaubt, der politische Einfluss auf die Kapitalmärkte sei begrenzt, der irrt sich. Das Gegenteil ist der Fall: wir befinden uns in einer Phase, in der politische Machtansprüche und handelsrechtliche Auseinandersetzungen offen zu Tage treten. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen stehen die USA. Eine überschuldete Weltmacht, die jeden Tag an ökonomischer Relevanz an die aufstrebenden Länder (vor allem in Asien) verliert, beginnt um sich zu schlagen. Ein Zeichen der Schwäche, aber ein gefährliches Zeichen. Handelsrechtliche Konflikte sowie eine aggressive Sanktionspolitik finden verstärkt Anwendungen in einem instabilen geopolitischen Umfeld. Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier gezielt ein Keil zwischen Asien und Europa aber auch zwischen die einzelnen Staaten Europas getrieben werden soll. Wir wissen nun, was der Slogan „America first“ konkret bedeutet: Es ist der sukzessive Ersatz von Multilateralismus durch Unilateralismus.

Weltweit, nicht nur in den USA, sind wir wieder Zeugen großer Veränderungen. Nach dem Kalten Krieg begann der Siegeszug des Kapitalismus über den Kommunismus. Nun hat offensichtlich der Kampf zwischen Globalisierung und Nationalismus begonnen. In immer mehr Ländern entstehen populistische Strömungen, die unverblümt oftmals der Flüchtlingsproblematik und dem unfairen Verhalten von Handelspartnern die Schuld für jegliche politische und ökonomische Malaise zuschreiben. Dieser neue „Politikstil“ findet immer mehr Zustimmung. Die Globalisierung und das exzessive Gelddrucken der Notenbanken hat eben nicht nur Gewinner hervorgebracht, sondern auch eine sehr große Anzahl an Verlierern. Breite Bevölkerungsschichten in der westlichen Welt, allen voran die sogenannte Mittelklasse, kämpft seit Jahren mit stagnierenden oder sinkenden Realeinkommen. Die Abwanderung von Jobs in Billiglohnländer in Kombination mit Digitalisierung und Automatisierung schürt Angst und bildet dadurch den Nährboden für Populismus und Protektionismus. Der große Umbruch hat begonnen.

Euroland: Wiedergeburt einer Krise, die nie tot war

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