Weiterhin hohe konjunkturelle Dynamik zum Jahresende

Von Markus Steinbeis, Geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker Vermögensverwaltung gmbh

Die globale Konjunktur zeigt sich unverändert robust. Das globale Wirtschaftswachstum dürfte sich in diesem Jahr bei etwa 3,5 Prozent einpendeln – das wäre die stärkste Dynamik seit 2011. Da der Aufschwung, wie in unseren früheren Publikationen schon mehrmals angedeutet, sehr breit angelegt ist, können wir uns für die ersten Monate des kommenden Jahres eine ähnliche Dynamik vorstellen.

Die Situation in Euroland bleibt trotz zahlreichen politischen Risiken beeindruckend. Viele Frühindikatoren lassen für die kommenden Monate weiterhin eine erfreuliche Entwicklung erwarten, da sich die Euroländer wirtschaftlich überwiegend im Gleichschritt bewegen. Seit Beginn der Währungsunion lagen die Wachstumsraten der einzelnen Länder noch nie so nah beieinander. Viele, meist angelsächsische Experten, die den Währungsraum immer kritisch beurteilt hatten, werden zunehmend ruhiger. Der Einkaufsmanagerindex für das Dienstleistungsgewerbe, der historisch einen hohen Gleichlauf mit der Entwicklung des Wirtschaftswachstums aufwies, konnte die seit Mai vorherrschende Seitwärtsbewegung beenden und stieg im November wieder an. Auch das Pendant für die Industrie zeigt sich weiterhin in Hochstimmung. Dies lässt ein extrem starkes Wachstum im letzten Quartal dieses Jahres vermuten. Die EU-Kommission rechnet mit dem stärksten Wachstum seit 2011 im Währungsraum.

Neben der unverändert hohen Dynamik in Asien, trägt nun auch die USA wieder zum globalen Wachstum bei. Der Aufschwung präsentiert sich als moderat, aber stetig. Wir werden aber nicht müde zu erwähnen, dass es sich überwiegend um ein kreditfinanziertes Wachstum handelt – auf Kosten nachfolgender Generationen. Nachhaltigkeit sieht anders aus. Das jüngst gemeldete, annualisierte Wachstum im dritten Quartal von 3 Prozent sollte allerdings in dieser Stärke nicht wiederholbar sein, daher bleiben wir bei unserer Erwartung von 2,2 bis 2,4 Prozent für das Gesamtjahr 2017. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Repräsentantenhaus und der Senat noch bis Jahresende auf eine Steuerreform einigen werden, ist in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Sollten, wie geplant, Privatpersonen und Unternehmen über die nächsten zehn Jahre wirklich mit 1.500 Milliarden US-Dollar entlastet werden, erhält die US-Volkswirtschaft nochmals etwas Rückenwind.

Die US-Zinsstruktur verflacht sich

Aus unserer Sicht bewegen sich die Kapitalmärkte in der besten aller Welten. Der Mix aus guter Konjunktur, niedrigen Inflationsraten und ultralockerer Geldpolitik hat viele Anlageklassen in den vergangenen Jahren massiv Auftrieb gegeben. Es spricht einiges dafür, dass sich das auch nicht grundsätzlich auf absehbare Zeit ändern wird. In diesem Umfeld ergeben sich für Anleger immer wieder Chancen. Solange der inflationsbereinigte Ertrag von Liquidität und vielen Anleihen null oder negativ bleibt, werden Anlegeklassen wie Aktien strukturell unterstützt.

Dividendenpapiere haben daher langfristig weiter Potential. Dennoch müssen auf kurz- und mittelfristiger Sicht die Risiken an den Kapitalmärkten stets analysiert und diskutiert werden, um ein Vermögen temporär auch durch unruhigeres Fahrwasser zu leiten. Es ist unsere Pflicht, die ökonomischen, geldpolitischen und politischen Veränderungen stets im zu Blick haben. Wird ein ideales Umfeld gestört und sind viele Anleger sehr optimistisch, kann das zu starken Bewegungen in einzelnen Anlageklassen führe.

Unser Augenmerk richtet sich derzeit auf die Zinsentwicklung in den USA. Als sehr verlässlicher Frühindikator für zukünftige ökonomische Entwicklungen dient die Zinsstrukturkurve. Viele  Rezessionen der Vergangenheit hatten eine Gemeinsamkeit: eine Inversion der Zinsstrukturkurve, bei der 2-jährige Zinsen über den 10-jährigen Zinsen liegen. Oft dauerte es nur 12 Monate, dass auf eine Inversion der Zinsstruktur eine Rezession folgte. Daher beobachten wir mit hoher Aufmerksamkeit die Entwicklung der US-Zinsstrukturkurve, die sich seit 2016 sukzessive abflacht.

Rezessionen sind extrem schwer zu prognostizieren. In der Regel haben es die großen Organisationen wie der Internationale Währungsfonds und die OECD sowie die meisten Research-Abteilungen der Banken nicht geschafft, deutliche Wachstumsabschwächungen vorauszusagen. Umso wichtiger ist es Warnsignale, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, zur Kenntnis zu nehmen. Wir fragen uns lediglich, ob in einer Welt, in der Zentralbanken den Zins manipulieren, eine Zinsdifferenz noch die historisch belegbare Relevanz besitzt. Übrigens: die Euro-Zinskurve wurde jüngst ein bisschen steiler.

Mit wetterfesten Portfolios ins neue Jahr

Trotz der oben beschriebenen Verflachung der Zinsstruktur in den USA erachten wir die Rezessionsrisiken als derzeit gering. Dennoch überwiegt zum Jahresende der Sicherheitsgedanke in unserer Portfolioallokation. Die Risiken rücken stärker ins Blickfeld. So versuchen Zentralbanken weltweit, ihre ultralockere Geldpolitik in kleinen Dosierungen zurückzufahren. Daneben steigt die Unsicherheit über Chinas künftigen politischen und wirtschaftlichen Kurs nach dem Parteitag der Kommunistischen Partei. Die geopolitischen Brandherde Nordkorea und Saudi-Arabien (Iran) sowie die bevorstehenden Untersuchungen bezüglich der „Russland-Affäre“ von US-Präsident Trump möchten wir ebenso nicht unerwähnt lassen. Gleichzeitig haben sich viele Risikoanlagen in einem Umfeld von hoher Sorglosigkeit der Anleger (siehe Monatsbericht November 2017) sehr gut entwickelt. Wir haben dies zum Anlass genommen, das Risiko in den Portfolios Stück für Stück zu reduzieren. Der Bestand an hochwertigen Anlagen und Liquidität wurde deutlich erhöht. Wir sind so defensiver in einer möglichen Marktkorrektur aufgestellt. Gleichzeitig bleiben wir handlungsfähig und können die Chancen nutzen, die sich in den kommenden Wochen und Monaten ergeben.

Kurzfristig Risiken an den Aktienmärkten

Zu einer defensiveren Strategie gehört auch eine konservativer Ausrichtung unserer Aktienportfolios, denn der Bullenmarkt befindet sich mittlerweile in einer Spätphase. Die ihn antreibenden Faktoren könnten an Kraft verlieren. Dennoch zeigt die überwiegende Mehrzahl der Anleger eine bemerkenswerte Sorglosigkeit und sieht derzeit keine Anzeichen von Gefahren. Die gute Entwicklung der vergangenen Wochen und Monate wird in das Jahr 2018 extrapoliert. Diese Annahme halten wir für sehr aggressiv, ist doch die Marktkapitalisierung aller an den internationalen Börsen gehandelten Unternehmen sehr rasant auf knapp 100 Billionen US-Dollar gestiegen.

Der Aktienmarkt ist daher anfälliger für Korrekturen geworden. In Europa haben diese möglicherweise schon begonnen. So musste der Deutsche Aktienindex DAX von seinem Höchststand von über 13.500 Punkten temporär über 500 Punkte abgeben. Beeindruckend widerstandsfähig zeigt sich dagegen der US-Aktienmarkt. Die hochgewichteten Technologiewerte treiben die Indizes derzeit noch von einem Allzeithoch zum nächsten. Doch die vielerorts zu beobachtenden Überhitzungserscheinungen dürften dieser Bewegung in den kommenden Monaten auch ein Ende setzen.

Dieses Umfeld erfordert aus unserer Sicht ein defensives Vorgehen. Das Ziel des Kapitalerhalts rückt wieder in den Vordergrund. Mit einer hohen Diversifikation, mehr liquiden Mitteln und einer absoluten Fokussierung auf qualitativ hochwertige Unternehmen versuchen wir zukünftig größere Schwankungen der Portfolios in Grenzen zu halten. Da wir aufgrund der hervorragenden fundamentalen Rahmenbedingen nicht von einer Trendwende, sondern lediglich von einer temporären Korrektur ausgehen, sollten sich an den Aktienmärkten auf absehbare Zeit auch wieder exzellente Chancen bieten.

Qualitativ hochwertige Anleihen und Gold bevorzugt

Anleihen qualitativ hochwertiger Emittenten und Gold sollten in den kommenden Wochen in der Lage sein, ein Portfolio zu stabilisieren. Insbesondere Gold dürfte seinen moderaten Aufwärtstrend beibehalten können. Da die Kombination aus teils hoher Bewertung und erhöhter Risikofreude erhebliche Rückschlaggefahren bei anderen Vermögenstiteln birgt, könnte das Edelmetall wieder mehr in das Blickfeld internationaler Investoren rücken.

 

 

Goldener Herbst für Risikoanlagen

Von Markus Steinbeis, Geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker Vermögensverwaltung gmbh

„Der Kursanstieg bei Aktien könnte sich im Herbst fortsetzen“ war eine unserer Überschriften im vergangenen Marktbericht. Nach den Wochen und Monaten der Konsolidierung haben viele Aktienindizes seit Mitte September nun ihren Aufwärtstrend wiederaufgenommen. Diese Konsolidierung ist sowohl im historischen Vergleich als auch vor dem Hintergrund der geopolitischen Risiken äußerst gering ausgefallen. Die Aktienmärkte bewegen sich weiterhin in einem ausgesprochen freundlichen Umfeld. Das Wirtschaftswachstum verläuft weltweit synchron, aber überwiegend mit einer gemäßigten Dynamik. Das Risiko einer konjunkturellen Überhitzung mit massiv steigenden Inflationsraten bleibt vorerst schwach ausgeprägt. Die aktuelle Preissteigerung erscheint uns als optimal. Zum einen ist sie so hoch, dass eine Deflation oder Rezession nicht zu erwarten ist. Zum anderen ist sie aber nicht groß genug, dass man vor nachhaltig steigenden Zinsen Angst haben müsste. Die Geldpolitik der führenden Notenbanken sollte daher weitgehend expansiv bleiben, auch wenn sich erste Maßnahmen ankündigen, welche die Geldschwemme etwas reduzieren werden. Die Rückführung der Liquiditätsversorgung wird aber in kleinen Minischritten und sehr vorsichtig erfolgen. Damit bleibt die wichtigste Unterstützung für die globalen Aktienmärkte zunächst erhalten: niedrige Zinsen. Zinsanlagen bieten bis auf weiteres keine Alternative zur Sachwertanlage. Der Markt für festverzinsliche Anlagen ist unserer Meinung nach weiterhin dramatisch überbewertet und vergütet dem Anleger in keiner Weise das mit der Investition verbundene Risiko. „Goldener Herbst für Risikoanlagen“ weiterlesen

Marktbericht September 2017

Von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung

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Euro-Stärke und Nordkorea beeinflussen die Kapitalmärkte

Der Höhenflug des Euro im laufenden Jahr wird den Anlegern sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Schließlich lag der Preis der Gemeinschaftswährung Ende August zeitweise über 1,20 US-Dollar und damit mehr als 14 Prozent über dem Wert zu Beginn des Jahres. Eine schwächer als von vielen Anlegern erwartete US-Konjunktur (oft an dieser Stelle prognostiziert) und die Chaostage im Weißen Haus brachten den Greenback deutlich unter Druck. Die US-Regierung ist auf dem besten Weg, international an Einfluss und Macht zu verlieren. Sogar nach den nordkoreanischen Raketentests blieb die Währung im Rückwärtsgang, obwohl über Jahrzehnte hinweg der US-Dollar als Krisenwährung und sicherer Hafen bei geopolitischen Krisen von den Anlegern weltweit angesteuert wurde.

Nur von einer Dollarschwäche zu sprechen wäre allerdings nicht angebracht, da der Euro in diesem Zeitraum gegen die meisten weltweiten Währungen aufwerten konnte. Für die ausgeprägte Euro-Stärke gibt es mehrere und durchaus nachvollziehbare Gründe. Nach dem Wegfall der politischen Risiken mit den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich rückte der Fokus der Investoren endlich in Richtung fundamentale Stärke des Währungsraumes. Immer wieder haben wir unsere positive Sichtweise bezüglich der makroökonomischen Entwicklung Eurolands in unseren Publikationen diskutiert. Trotz Brexit-Entscheidung hat der Währungsraum nicht an Schwung verloren.

Die Konjunkturdaten entwickeln sich äußerst positiv und könnten durch Reformen der neuen französischen Regierung zusätzlichen Schub erhalten. Einkaufmanagerindizes, Industrie- und Verbrauchervertrauen lassen uns ein Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2017 von deutlich über 2 Prozent erwarten. Das dürfte über den kreditfinanzierten Wachstumsraten der USA liegen.

Angesichts der jüngsten starken Wertentwicklung, halten wir allerdings kurzfristig das Aufwärtspotential des Euros für begrenzt. Es besteht sogar die Möglichkeit einer kurzen Erholung des Dollars, wenn in den USA endlich ein Steuerkonzept beschlossen und die Schuldenobergrenze problemlos erhöht wird. Mittel- und langfristig liefern die ökonomischen Rahmendaten allerdings weiterhin starken Rückenwind für die europäische Gemeinschaftswährung. Politische Entwicklungen diesseits und jenseits des Atlantiks sind dennoch in den kommenden Monaten genau zu beobachten.

Nordkorea an der Spitze der geopolitischen Risiken

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Marktbericht Juni 2017

Von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der steinbeis & häcker vermögensverwaltung

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Euroland überrascht weiter

Im Euro-Raum hat sich die konjunkturelle Dynamik weiter gefestigt. So konnte der viel beachtete deutsche Ifo-Geschäftsklima-Index im Juni das höchste Niveau seiner Geschichte markieren. Insbesondere Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Bauwirtschaft und Dienstleistungen zeigen sich derzeit sehr optimistisch. So verwundert es nicht, dass das Ifo-Institut seine Wachstumsprognosen für das deutsche Bruttoinlandsprodukt für 2017 nochmal leicht auf 1,8 Prozent angehoben hat. Diese erfreuliche Entwicklung erstreckt sich aber nicht ausschließlich auf Deutschland. Die Einkaufsmanagerindizes in vielen europäischen Ländern geben ebenfalls Zuversicht für die kommenden Monate. In Frankreich notiert dieser Konjunktur-Indikator beispielsweise auf dem höchsten Niveau seit sechs Jahren. Apropos Frankreich: Präsident Macron verfügt nach den Wahlen nun auch über eine breite parlamentarische Mehrheit. Es bleibt abzuwarten, inwieweit er in der Lage sein wird, sein Reformprogramm in Frankreich gegen das Establishment und die Gewerkschaften durchzusetzen, um weitere Wachstumspotentiale zu heben. Zudem mehren sich die Anzeichen, dass eine engere wirtschaftspolitische Zusammenarbeit mit konjunkturstimulierenden Maßnahmen zwischen Paris und Berlin nach den deutschen Wahlen auf der Agenda steht. Wie schon mehrmals an dieser Stelle beschrieben, halten wir für die kommenden Monate an unserer positiven Einschätzung für die Euroland-Konjunktur fest. Die aktuelle Dynamik erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der gegenwärtige Aufschwung noch stärker ausfallen wird, als selbst wir das Ende letzten Jahres erwartet hatten.

Erfreuliches Wachstum weltweit „Marktbericht Juni 2017“ weiterlesen