Automatisierung – Wo steht China?

Gastbeitrag von Dr. Clemens Kustner, ASPOMA Asset Management

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Die Wachstumsraten im Bereich Automatisierung in China sind hoch, das Volumen ist jedoch noch gering, insbesondere relativ zur Größe des Landes – das aber bedeutet „viel Potential für die Zukunft“.

Automatisierung – wo steht China?

Wissen Sie, wo das modernste Fertigungswerk von BMW steht? Viele würden vermutlich antworten „natürlich in München; oder vielleicht doch in Regensburg? Oder in Spatanburg in den USA?“

Die richtige Antwort ist dagegen: Shenyang, China! Bei der Einweihung Ende Mai bekamen die Gäste die neue Fertigungswelt zu sehen: Disko tanzende Fertigungsroboter; Arbeiter, die innovative Exoskelette tragen, die wie ein zweites Skelett als äußere Stützstruktur für den Körper dienen und den Kraftaufwand bei körperlich anstrengenden Arbeiten reduzieren; mobile „Smart Devices“, die den Arbeitern in der Fertigung permanent alle Information zur Verfügung stellen, die sie benötigen; Arbeiter tragen „Augmented Reality“ Brillen, die es ihnen ermöglichen, „Virtual Reality“ Produktions- und Montageteile, wie beispielsweise einen Motor, von innen zu sehen. Weltweit führend ist auch die hochgradig vernetzte Produktion: Durch eine „Internet-of-Things-Architektur“ können über die Fahrzeug-Identifikationsnummer jedem im neuen Werk produzierten Auto einzelne Komponenten, Arbeitsschritte und Maschinen zugeordnet werden. Höhere Effizienz und bessere Qualität wird dadurch ermöglicht.

Bauherr und Eigentümer dieses Werks ist genaugenommen nicht die BMW AG, München, sondern das Joint Venture BMW Brilliance Automotive (BBA), das BMW gemeinsam mit dem chinesischen Unternehmen Brilliance China Automotive kontrolliert und führt. Aktien von Brilliance sind an der Börse in Hong Kong notiert und sind seit vielen Jahren eine Kernposition im ASPOMA China Opportunities Fund.

Wachstumsraten im Bereich Automatisierung in China sind hoch, das Volumen ist jedoch noch gering, insbesondere relativ zur Größe des Landes – das aber bedeutet „viel Potential für die Zukunft.

Auch wenn die Technologie für Fertigungsstätten wie dem neuen BMW Werk in Shenyang vermutlich noch zu 100% aus dem Westen kommt, so etablieren sich in China in allen Bereichen der Automatisierung erfolgreiche starke chinesische Anbieter. Diese haben gegenüber internationalen Großkonzernen den Vorteil, dass sie die Automatisierungsbedürfnisse vieler chinesischer Unternehmen passgenauer und mit einem besseren Preis-Leistungsverhältnis bedienen können. Während Unternehmen wie Siemens, ABB oder Fanuc bei den in China tätigen Multinationals wie eben BMW zum Zug kommen, tun sich westliche Automatisierungs-Giganten oftmals schwer, den chinesischen Mittelstand zu bearbeiten.

China hat bei Automatisierung die Sieben-Meilen-Stiefel an
Derzeit ist der Automatisierungsgrad der chinesischen Wirtschaft noch gering. Die Anzahl Roboter je 10.000 Arbeiter ist zwar noch vergleichsweise tief, beim Verkaufsvolumen an Automatisierungstechnologie und bei den Wachstumsraten lässt China den Rest der Welt jedoch weit hinter sich.

Automatisierung ist ein langfristiger Wachstumsmarkt in China

Die Treiber hinter der rapiden Zunahme der Automatisierung in Chinas Industrie sind vielfältig und robust: Um nur einige wenige Punkte zu nennen: Das Wachstum der arbeitsfähigen Bevölkerung ist zum Stillstand gekommen. Die Löhne sind insbesondere in der Industrie in den letzten 10 Jahren deutlich gestiegen. Der wichtigste Treiber dürfte jedoch „Made in China 2025“ sein – unter diesem Stichwort laufen konzentrierte Anstrengungen der chinesischen Regierung, die chinesische Industrie international wettbewerbsfähig zu machen und Automatisierung ist ein zentrales Element dieser Strategie.
An der Automatisierung Chinas führt also kein Weg vorbei. Profiteure sind insbesondere japanische Unternehmen, die die Automatisierungstechnologie in vielen Bereichen weltweit dominieren, und natürlich die lokalen chinesischen Anbieter.

Automatisierungstechnologie im zyklischen Aufwind

Trotz des strukturell kräftigen Wachstums des Automatisierungssektors in China ist dieser Markt auch zyklischen Schwankungen unterworfen. So war insbesondere die verarbeitende Wirtschaft in China von hohen Überkapazitäten geplagt; diese wurden im Zuge des Investitionsprogramms der Regierung zur Bekämpfung der großen Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 aufgebaut. Entsprechend zurückhaltend waren Unternehmen in den vergangenen Jahren, in Fabriken und Anlagen zu investieren.

Nach dieser mehrjährigen Investitionszurückhaltung und einem Abbau der Überkapazitäten hat der Automatisierungsbereich wieder Rückenwind. Die Zahlen für das erste Quartal 2017 belegen eindrucksvoll, dass der Sektor wieder stark wächst. In den Bewertungen und der Kursentwicklung der lokalen Anbieter von Automatisierungstechnologie ist diese Trendumkehr noch nicht erkennbar. Hollysys Automation ist beispielsweise einer der führenden chinesischen Anbieter von Automatisierungslösungen für die industrielle Fertigung und für den Schienenverkehr (Hochgeschwindigkeitszüge, U-Bahnen).

In den letzten fünf Jahren hat sich der Aktienkurs von Hollysys kaum bewegt, und das obwohl sich seit 2013 der Umsatz von rund 350 Millionen auf rund 450 Millionen US-Dollar und der Gewinn von 52 Millionen auf rund 80 Millionen US-Dollar erhöht hat. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Hollysys liegt auf Basis des für die kommenden 12 Monate erwarteten Gewinns bei ca. 8,6x, das Preis-Buch-Verhältnis bei ca. 1,2x – und das für ein schuldenfreies Unternehmen (Nettofinanzposition USD 150 Millionen) und einem Eigenkapitalrendite von rund 10% für das laufende Geschäftsjahr und 13,5% für die nächsten 12 Monate.

Zusammenfassung

Der weltweite Automatisierungstrend bietet insbesondere japanischen und chinesischen Unternehmen hervorragende Möglichkeiten. ASPOMA verfolgt die relevanten Trends genau und hat sich sowohl im ASPOMA China Opportunities Fund als auch im ASPOMA Japan Opportunities Fund gut positioniert und attraktiv bewertete Unternehmen aus diesem Bereich in geeigneter Weise berücksichtigt.

Die detaillierte Analyse mit allen Tabellen und Graphiken ist auf der Website von ASPOMA abrufbar.

Dr. Clemens Kustner ist Investmentexperte für die japanischen und chinesischen Kapitalmärkte sowie Mitbegründer und Geschäftsführer von ASPOMA Asset Management, einer auf Asien spezialisierten Investmentgesellschaft.

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